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Tagung „Falsche Gegensätze“
Veranstaltung
- eventBeginsOn
- 22.10.26
- eventEndsOn
- 24.10.26
Wittenberg
Veranstaltungszugang: Intern
Das Denken in Gegensätzen ist tief in der politischen, kulturellen und wissenschaftlichen Praxis verankert. Begriffspaare wie Leben und Tod, Körper und Geist, Liebe und Hass, Ost und West, Theorie und Praxis oder Freund und Feind strukturieren gesellschaftliche Diskurse und prägen die Wahrnehmung. Sie suggerieren klare Alternativen und oft einen Entscheidungszwang.
Doch Dichotomien sind selten so eindeutig, wie sie erscheinen. Schon begrifflich lassen sich verschiedene Typen unterscheiden: Kontradiktorische Gegensätze schließen einander logisch aus, konträre erlauben Zwischenformen, komplementäre setzen einander voraus. Auch die beschriebenen Phänomene sind meist komplexer, als einfache Oppositionspaare nahelegen. Liebe und Hass können ineinander übergehen, zwischen Reden und Handeln verläuft keine scharfe Grenze. Begriffe wie Hassliebe, bittersüß oder Frenemy fangen solche Ambivalenzen ein.
Gegensatzpaare schaffen Orientierung, stützen Argumentationen und ermöglichen Polarisierung. Zugleich vereinfachen sie komplexe soziale und kognitive Phänomene und verdecken wechselseitige Abhängigkeiten. Eine kritische Analyse muss daher nicht nur Unterschiede, sondern auch Überlappungen und hybride Formen in den Blick nehmen. Dekonstruktive, systemtheoretische und sozialpsychologische Ansätze haben gezeigt, dass scheinbare Gegensätze oft diskursiv hergestellt sind, funktional zusammenwirken und widersprüchliche Haltungen zugleich bestehen können.
Vor diesem Hintergrund rücken einige besonders wirkmächtige Gegensatzpaare in den Fokus — kritisch, kreativ, essayistisch und/oder ironisch. Ziel ist es, neue Perspektiven auf diese Phänomene zu eröffnen und ihre strategische Nutzung in Kommunikations- und Machtprozessen sichtbar zu machen.
Die Tagung in der Stiftung Leucorea in Wittenberg bietet dafür den Rahmen. Die Beiträge sollen anschließend in einem kleinen Band erscheinen.






