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vocal fold tension mismatch
Zwei vibroakustische Installationen zur „Somatik der Falte“ zwischen Körper, Material und Klang. (sikau/pubalova)
In Zusammenarbeit mit Amos Peled und Denis Połeć.

Zwei Installationen mit Membranen, die sich zusammenziehen und ausdehnen und an menschliche und nicht-menschliche Falten erinnern. Ausgangspunkt der kollaborativen künstlerischen Arbeit ist die Beschäftigung mit der „Somatik der Falte“: von Gilles Deleuzes philosophischen Schichtungen von Materie und seinen Vorstellungen gefalteter Zeiten und Körper über die Anatomie von Hautoberflächen und Darmwänden bis hin zur Haptik sich zusammenziehender Roboter im Bereich der Soft Robotics, also der Robotik mit weichen und flexiblen Materialien. Bei vocal fold tension mismatch wird die Falte zu einem flüchtigen Muster aus ungleicher Spannung, das Sie körperlich erfahren können.
vocal fold tension mismatch 1
In der Vitrine probt eine Latexhaut eine eigenständige Choreografie des Faltens. Die Membran dehnt sich aus, bis sie das Glas berührt und an dieser Begegnung in komplexen Mustern knittert und sich krümmt. Der Widerstand der äußeren Begrenzung bringt die Faltung hervor, die hier zur existenziellen Bedingung jeder Bewegung wird.
vocal fold tension mismatch 2
Auf einem historischen Bett im Bettensaal faltet und entfaltet sich ein Laken aus Latex wie lebendes Gewebe und lädt Sie dazu ein, das Falten taktil zu erfahren. Das Bett wird zu einem Klangort, an dem Vergangenheit und Gegenwart, Menschliches und Nicht-Menschliches miteinander in Berührung kommen und sich ineinander falten.
Die Bewegung der Latexoberfläche und der Klang stehen dabei in einem Feedback-Loop: Der Faltungsprozess verändert den Sound, der wiederum die Bewegung der Oberfläche auslöst. In den knittrigen Landschaften der Latexhaut verschränken sich der live-gemorphte Klang und die Bewegungslogik der Soft Robotics.
Die dabei entstehenden Vibrationen werden über Kinnauflagen auf Hockern auf den Körper übertragen. Wenn Sie sich vorbeugen und das Kinn auf die Auflage legen, hören Sie den Klang nicht über das Ohr, sondern über die Knochenleitung: Die Schwingungen wandern durch Kiefer und Schädel bis zur Cochlea, der Hörschnecke im Innenohr. Das Falten wird von innen gehört. Das Flüstern einer hautähnlichen Oberfläche wird so körperlich erfahrbar.
vocal fold tension mismatch lädt Sie dazu ein, dem Falten der Haut von innen zuzuhören.
Text von sikau/pubalova
sikau/pubalova ist ein künstlerisches Duo bestehend aus Künstlerin, Forscherin und Creative Coder Denisa Půbalová und Medienkünstlerin, Mezzosopran, Musikwissenschaftlerin und Kuratorin Lea Luka Sikau.
Werke in der Ausstellung
01.1 vocal fold tension mismatch 1, 2026
01.2 vocal fold tension mismatch 2, 2026

Lea Luka Sikau
Dr. Lea Luka Sikau ist Medienkünstlerin, Mezzosopran, Musikwissenschaftlerin und Kuratorin an der Schnittstelle von Musiktheater und multisensorischer Medienkunst. Ihre Promotion in Cambridge untersuchte posthumane Zukünfte in Opernproben. Sie war Fellow in Harvard und Gastforscherin am MIT und wurde u. a. mit dem Bayerischen Kulturpreis ausgezeichnet. International lehrt sie zu KI, künstlerischer Forschung und multisensorischen Environments. Sie kollaborierte mit renommierten Künstler:innen und gründete das Medienkunstduo sikau/pubalova. Als leitende Kuratorin für Sound am ZKM verantwortet sie Festivals, Residenzen und den Klangdom, einschließlich internationaler Kooperationen und neuer Performanceformate. Profilseite Lea Luka Sikau
Denisa Půbalová
Denisa Půbalová ist Künstlerin, Forscherin und Creative Coder und arbeitet im künstlerischen Duo sikau/půbalová. Sie hat an der Karls-Universität und der Westböhmischen Universität einen Masterabschluss erworben und beginnt 2026 ihre Promotion an der Universität Utrecht. Ihre prozessbasierte Praxis entwickelt multisensorische Methoden zur Wahrnehmung sozial-ökologischer Formen der Unvergleichbarkeit, darunter Verflechtungen von Mensch, Pilzen und Technologie, Kieselalgen als Klimaarchive sowie die Mikrobiome von Darm und Boden. An der Schnittstelle von posthumanistischer Philosophie, Environmental Humanities, spekulativer Fiktion und kollaborativer Feldforschung entwickelt sie Installationen, Publikationen und partizipative Werkzeuge, die körperliche, materielle und mehr-als-menschliche Formen des Wissens erfahrbar machen. denisapubalova.com
Amos Peled
Amos Peled ist multidisziplinärer Künstler und Absolvent des Masterstudiengangs ArtScience in Den Haag. In seiner Arbeit überführt er medizinische Technologien in künstlerische Kontexte, um die Beziehungen zwischen Menschen, Maschinen und Gesundheitssystemen zu untersuchen. Mit medizinischen Bildgebungsverfahren wie Ultraschall entwickelt er performative und audiovisuelle Arbeiten, die sich mit der Handlungsmacht von Patient:innen, Körperpolitiken, spekulativen Organen und der körperlichen Dimension technologischer Prozesse auseinandersetzen. Durch künstlerische Forschung im klinischen Kontext eröffnet er neue Perspektiven auf den Körper als Ort, an dem medizinische Technologien, institutionelle Strukturen und gelebte Erfahrung aufeinandertreffen. www.amospeled.net
Denis Połeć
Denis Połeć ist ein in Hamburg lebender Multimedia-Künstler und Komponist, dessen Praxis sich zwischen Sound, Performance, Installation, Musiktheater und digitalen Medien bewegt. Er studierte Medienkunst / Mediengestaltung an der Bauhaus-Universität Weimar sowie Multimediakomposition an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg. In seiner Arbeit verbindet er selbst entwickelte Software, Video, interaktive Systeme und kompositorische Methoden und untersucht, wie technologische Strukturen Wahrnehmung, Verhalten und menschliche Handlungsfähigkeit prägen. In audiovisuellen Kompositionen, räumlichen Soundinstallationen und interdisziplinären Kooperationen in zeitgenössischer Musik und experimentellem Theater entwickelt er performative Systeme, in denen das Zusammenspiel von Technologie, Wahrnehmung und menschlichem Verhalten erfahrbar wird. denispolec.de