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A Living Artwork
Interaktive Installation A Living Puppet von Sonja Bäumel und 17:06-minütiger Film A Living Artwork von Eddie Bolger zur Frage, wie und wodurch ein Kunstwerk lebendig wird und wie dieses Lebendige in Beziehungen und Abhängigkeiten statt im isolierten Körper entsteht. (Sonja Bäumel, Eddie Bolger, Janina Krepart, Birgit Nemec, Jules Sturm)

A Living Artwork
Der Film A Living Artwork dokumentiert einen künstlerischen Forschungsprozess, der sich mit der Frage beschäftigt, was ein Kunstwerk lebendig macht. Ausgangspunkt ist die biologische Kunst von Sonja Bäumel, die in engem Austausch mit Wissenschaft, Medizingeschichte, Philosophie und experimentellen Publikationsformen kontinuierlich weiterentwickelt wird.
Ein lebendiges Kunstwerk wächst, verändert sich und vergeht. Es entwickelt sich über die Zeit, verlangt Pflege, fordert Aufmerksamkeit für den gegenwärtigen Moment und macht Transformation sichtbar. Die Arbeit mit lebender Materie eröffnet dabei neue Perspektiven auf Kunst: Sie rückt Prozesse anstelle statischer Formen in den Vordergrund und macht das Wachsende, Vergängliche, Fragile und Unvorhersehbare zum eigentlichen Inhalt des Werks.
Living Artwork begleitet die Künstlerin Sonja Bäumel, die Medizinhistorikerin Birgit Nemec, die Kulturanalytikerin Jules Sturm und die Künstlerin Janina Krepart bei einer Reihe von Interventionen und Performances, die sich mit dem Konzept des „Lebendigen“ in der Kunst auseinandersetzen. Der Film folgt seinen Protagonistinnen zwischen Wien, Amsterdam und Berlin. Er dokumentiert ihre Recherchen als Teil eines sich entfaltenden work in progress. Zugleich bildet der Film die Grundlage für das abschließende Projekt dieser Forschung: die interaktive Installation A Living Puppet.
A Living Puppet
A Living Puppet lädt Sie dazu ein, den menschlichen Körper weniger als abgeschlossene Einheit und vielmehr als lebendiges Wesen in Beziehung zu seiner Umwelt zu verstehen.
Ausgangspunkt ist ein zentrales Paradox der Anatomie: Seit Jahrhunderten wird mithilfe toter Körper Wissen über das Leben vermittelt. Die Installation bezieht sich auf die Anfänge der anatomischen Visualisierung anhand des mit Holzschnitten ausgestatteten Werks De humani corporis fabrica des Anatomen und Chirurgen Andreas Vesalius aus dem Jahr 1543. Sie versucht, alternative Wege zu schaffen, sich die menschliche Verkörperung vorzustellen. A Living Puppet zielt darauf ab, kulturell geprägte Sichtweisen zu hinterfragen, die den menschlichen Körper als in sich geschlossen betrachten, und übersetzt ihn in eine lebensgroße, bewegliche Marionette aus bedruckten Textilien.
Über ein Seilzugsystem können Sie das scheinbar leblose Objekt gemeinsam in Bewegung versetzen. Die Installation macht erfahrbar, dass Leben nicht bloße Eigenschaft eines isolierten Körpers ist, sondern in Beziehungen, Bewegungen und gegenseitigen Abhängigkeiten entsteht.
A Living Puppet stellt damit traditionelle anatomische Vorstellungen infrage und lenkt den Blick weg von einzelnen Organen hin zu den Verbindungen zwischen Körper, Umwelt und anderen Lebewesen. Die Arbeit eröffnet neue Möglichkeiten, menschliche Verkörperung als etwas Veränderliches, Prozesshaftes und zutiefst Verbundenes zu denken.
Text von Sonja Bäumel
Sonja Bäumel ist Künstlerin, Eddie Bolger Dokumentarfilmer, Janina Krepart Kunstpädagogin, Birgit Nemec Medizinhistorikerin und Jules Sturm Philosophin und Kulturanalytikerin.
Werke in der Ausstellung
08.1 A LIVING PUPPET, 2025/2026
Sonja Bäumel in Zusammenarbeit mit Birgit Nemec, Janina Krepart und Jules Sturm; Technische Umsetzung: Sonja Bäumel, Elisabeth Bäumel, Harry Schmidt
08.2 A LIVING ARTWORK, 2021–2024
Eddie Bolger in Zusammenarbeit mit Helen Blackwell, Silvana McNulty.
Förderung
Institutionelle Kollaborationen mit: Institut für Geschichte der Medizin und Ethik in der Medizin an der Charité Berlin, Zone2Source, Het Glazen Huis, Amsterdam, Berliner Medizinhistorisches Museum der Charité.
Finanzielle Unterstützung von U.S. National Science Foundation, DFG - Deutsche Forschungsgemeinschaft, BMBF – Federal Ministry of Education and Research
Sonja Bäumel
Sonja Bäumel ist Künstlerin mit einer besonderen Affinität zu verkörperter Kunst und Mikroben sowie künstlerische Forscherin und kunstbasierte Dozentin. In ihren transdisziplinären Projekten verbindet sie künstlerische, gestalterische und biowissenschaftliche Ansätze zu experimentellen Formen der Wissensproduktion. In ihren Arbeiten untersucht sie die Beziehungen zwischen Körpern und Umwelt sowie die Auswirkungen biowissenschaftlicher Erkenntnisse auf Vorstellungen von Leben, Identität und Verkörperung. Dabei wird Körperlichkeit als lebendiges, mit anderen Organismen verflochtenes Gefüge erfahrbar und eröffnet neue Perspektiven auf das Verhältnis zwischen Mensch, ökologischen Zusammenhängen und mikrobiellen Lebenswelten. www.sonjabaeumel.at/bio
Eddie Bolger
Eddie Bolger ist ein Dokumentarfilmer aus Berlin. Sein Schwerpunkt liegt auf der Produktion von Research Film, einer Arbeitsweise, die Praktiken aus Dokumentarfilm, Essayfilm und Oral History verbindet. In Zusammenarbeit mit Forschenden, Expert:innen, Archivar:innen und Zeitzeug:innen dokumentiert er Wissensproduktion als Prozess. Dabei geht seine Arbeit über herkömmliche Vorstellungen von Wissenschaftskommunikation hinaus: Ziel ist es, das Filmemachen in Forschungsmethoden zu integrieren und das Potenzial des „Denkens durch Film“ zu erkunden. www.eddiebolger.com
Janina Krepart
Janina Krepart ist Künstlerin, Kunstvermittlerin und lehrt an der Zürcher Hochschule der Künste. Sie studierte Bildende Kunst an der Hochschule für bildende Künste Hamburg sowie an der Goldsmiths, University of London und Kunstpädagogik an der Zürcher Hochschule der Künste. Derzeit forscht sie unter anderem zum künstlerischen Publizieren als situierter Praxis und als Modus transdisziplinärer, mehr-als-menschlicher Denkräume. Ihre Arbeit ist von queer-feministischen und kritisch-ökologischen Diskursen sowie von kritischer Pädagogik geprägt. sfkp.ch/autor/janina-krepart

Birgit Nemec
Birgit Nemec ist Medizinhistorikerin und Professorin für Geschichte der Medizin an der Charité – Universitätsmedizin Berlin und an der Universität Wien. In ihrer Arbeit analysiert sie, wie anatomische Bilder, wissenschaftliche Sammlungen und medizinische Praktiken unser Verständnis des menschlichen Körpers prägen. Dabei beschäftigt sie sich insbesondere mit der Geschichte der Anatomie, der Humangenetik sowie den visuellen und materiellen Kulturen der Medizin. Ihre Forschung zeigt, wie medizinisches Wissen im Zusammenspiel wissenschaftlicher, visueller und materieller Praktiken entsteht und sich über Bilder, Objekte und Sammlungen vermittelt. Profilseite Birgit Nemec
Jules Sturm
Jules Sturm ist Kulturanalytikerin mit einem PhD der Universiteit van Amsterdam und ausgebildete Philosophin mit einem MA der Universität Wien. Ihre Arbeitsschwerpunkte liegen in queer-feministischen Theorien, Critical Disability Studies, kritischer Pädagogik sowie Kunst und Literatur. Zurzeit lehrt und forscht Jules an der Zürcher Hochschule der Künste im Bereich Art Education zu kulturtheoretischen Ansätzen in der künstlerischen Lehre und Praxis. Darüber hinaus ist Jules freiberuflich an verschiedenen Kunsthochschulen in den Niederlanden tätig, als PhD-Betreuerin an der Universität Leiden (NL) und in kollaborativen Forschungsprojekten mit Künstler*innen zu verkörperten Wissensformen. www.julessturm.org