Geschichte

Die Anfänge

Die Junge Akademie wurde am 29. Juni 2000 für zunächst zehn Jahre ins Leben gerufen. Am Anfang stand die Kritik der Gründerväter und -mütter an den Missständen des deutschen Wissenschaftssystems, das dem wissenschaftlichen Nachwuchs wenig Möglichkeiten bietet, sich frei zu entfalten und das System mitzugestalten.

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In seiner Festansprache zur Gründung beschrieb der damalige Präsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (BBAW), Dieter Simon, die leitenden Vorstellungen so: "Wir haben den Eindruck, dass das deutsche Wissenschaftssystem in herausragender Weise altersfreundlich ist - ein Sachverhalt, der durch die Akademien in gewisser Weise symbolisiert wird ... Die Entfaltung des Nachwuchses wird verlangsamt. Er wird zu spät selbständig und zu lange gerontokratisch beherrscht oder paternalistisch betreut. In der geistigen Blüte seiner Jahre hat er nur wenig Möglichkeiten, sich autonom und institutionell abgesichert in den Wissenschaftsprozess einzubringen und diesen - und damit seine Zukunft! - mitzugestalten. Demnach müsste es geradezu die Pflicht einer etablierten und selbstkritischen Akademie sein, sich der Gründung einer Akademie der Jungen anzunehmen. Sie könnte ein erster und bescheidener Versuch sein, wenigstens an einem Punkt bestehende Mängel zu kompensieren."
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Konsolidierung und Internationalisierung

Angesiedelt war die Junge Akademie im ersten Jahrzehnt ihres Bestehens als Projekt bei der BBAW. Finanziert wurde sie durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie bis 2005 durch die VolkswagenStiftung. Es zeigte sich, dass die Junge Akademie die ihr gesteckten Ziele erfüllen konnte:

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Der interdisziplinäre wissenschaftliche Diskurs wurde in Arbeitsgruppen etwa zur Evolution von Genen, Sprachen und Kulturen, zu den Mechanismen der Selbstorganisation oder zur vorgeblichen Deutungsmacht der Biowissenschaften verwirklicht. In der Wissenschaftspolitik meldete sich die Junge Akademie mit vielbeachteten Studien und Stellungnahmen zu Wort: zur Juniorprofessur und zur Reform des Hochschulrahmengesetzes, zu Gleichstellungsfragen, zur Zukunft der Lehre, zu Forschungsratings, Berufungsverfahren und der Verflechtung beruflicher Karrieren in akademischen Paarbeziehungen. In Dialog mit der Gesellschaft trat die Junge Akademie durch die jährliche Preisfrage und zahlreiche öffentliche Veranstaltungen.

Darüber hinaus entwickelte sich die Junge Akademie schnell zum Vorbild und Starthelfer innerhalb eines allmählich entstehenden internationalen Netzwerks ähnlicher Einrichtungen: Auch in vielen anderen Ländern besannen sich die alten Akademien auf das Potenzial von Verjüngung und Erneuerung und starteten Junge Akademien. 2008 erfolgte, unter maßgeblicher deutscher Beteiligung, der Anstoß für die Gründung einer unabhängigen Global Young Academy.

Insofern war es keine inhaltliche Frage, die Junge Akademie über die ersten zehn Jahre hinaus fortzusetzen und ihre Charakteristika zu erhalten - besonders die Freiheit in der Wahl von Themen und Arbeitsformen. Hinter den Kulissen brachte das Ende der ursprünglichen Projektdauer allerdings Veränderungen mit sich: Seit 2011 ist die Junge Akademie nicht mehr als Projekt bei der BBAW angesiedelt, sondern als eigenständige Institution dauerhaft im Haushalt der Leopoldina verankert. Dass die Arbeit im ursprünglichen Umfang weitergehen kann, stellen finanzielle Zuwendungen sicher. Sie kommen zu 80 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung; jeweils zehn Prozent steuern das Land Sachsen-Anhalt sowie die Länder Berlin und Brandenburg bei.

Interviews und Berichte

Einblicke in die Bilanz der ersten zehn Jahre Junge Akademie liefert auch die Jubiläumsausgabe des Junge Akademie Magazins.

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