11.06.2017

Wissen, was das Netz hört

Antworten auf die Preisfrage 2017 „Was hört das Netz?“ aus dem In- und Ausland eingereicht | Preisträger am 10. Juni 2017 in Berlin gekürt

Mit ihrer Preisfrage „Was hört das Netz?“ hat Die Junge Akademie vor einem Jahr aufgerufen, die gesellschaftliche, politische, wirtschaftliche, künstlerische und technische Tragweite von Netzen und Netzwerken zu thematisieren, hör- und sehbar zu machen. Beiträge in den Kategorien Audio, Audiovisuell und Apps/Webanwendungen erreichten die Jury aus dem In- und Ausland. Nun wurden den Gewinner*innen am 10. Juni 2017 im Rahmen der Festveranstaltung der Jungen Akademie die mit jeweils 5.000 € dotierten Preise überreicht. Außerdem wurden drei Einreichungen lobend erwähnt.

Die Gewinner*innen

Lasse-Marc Riek, Deutschland, erhielt für „EMFaudible“ den Preis in der Kategorie Audio.
Wie klingt unsere Welt im nicht hörbaren Bereich? Können Leuchtstofflampen singen, Energiesparlampen brummen, Taschenrechner knattern, Waschmaschinen pfeifen, Smartphones knarren, Laptops ticken, Oberleitungen rauschen? Der Künstler Lasse-Marc Riek erkundet die ungehörten Netze elektromagnetischer Felder (EMF). Er hat Signale aus Frequenzfeldern des urbanen Raums mittels Sensoren und Detektoren eingefangen, aufgezeichnet und daraus ein Hörstück entwickelt.

Fabian Hemmert, Deutschland, erhielt für „Data Leak“ den Preis in der Kategorie Audio-visuell.
Das „Leaken“ brisanter Daten und Dokumente aus dem Netz kursiert als ein Phänomen unserer Zeit. „Data Leak“ ist eng verbunden mit den Veröffentlichungskanälen von WikiLeaks. Durch Raum-Klang-Erlebnisse schärft es unser Bewusstsein dafür, wie viele Daten im Internet durchsickern. In der audiovisuellen Anwendung rattert für jedes Datenleck eine Information durch das Display und erzeugt ein Geräusch. Das Gerät arbeitet ohne Sprecher und generiert jedes Geräusch maschinell. Letzteres wirkt mal beruhigend wie ein Meeresrauschen, mal störend wie ein tropfender Wasserhahn und hebt so die ambivalente Natur des „Leakens“ hervor. Technisch basiert „Data Leak“ auf einem Arduino Yún Brett, das WikiLeaks‘ Twitter und RSS Publikationen kanalisiert. Das Arduino ist verbunden mit einer elektromechanischen 3x5-Schalter-Punkt-Darstellung.

Yashas Shetty, Indien, erhielt für „The Nine Billion Names of God“ den Preis in der Kategorie Apps/ Webanwendungen.
Das Programm „The Nine Billion Names of God“ filtert Pornodateien im Internet nach dem Ausruf „Gott“. Diese „Sehnsüchte“ und „Gebete“ verwandelt das Programm in mp3-Dateien. Es endet, sobald es neun Milliarden „Rufe nach Gott“ gesammelt hat. Der Künstler verknüpft die gewaltigen Auswüchse der Pornoindustrie im Netz mit spirituellen Fragen und verweist auf Arthur C. Clarkes Kurzgeschichte „The Nine Billion Names of God“: Tibetanische Mönche versuchen, alle Namen Gottes herauszufinden mit der Intention, damit das ersehnte Ende der Welt herbeizuführen.

Lobende Erwähnungen gingen an

Hole and Corner (Dewi de Vree und Donia Jourabchi), Niederlande, für „Clandestine Infrastructures“ (Kategorie Audio)

Johann Otten und Marvin Ester, Deutschland, für „Der Cash-Trick!“ (Kategorie Audio) sowie

Timo Kahlen, Deutschland, für “/ source / (postfactual)“ (Kategorie Apps/Webanwendungen)

 

Digitaler und analoger Zugang zu Gewinner-Beiträgen

Die Gewinner-Beiträge wurden am Tag der Festveranstaltung auf dem Berliner Gendarmenmarkt und im Akademiegebäude der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften über QR-Codes und eine Onlinestation zugänglich gemacht.

Nach der Preisverleihung wurde außerdem die Website http://preisfrage2017.diejungeakademie.de/ live geschaltet, auf der die Gewinner*innen und ihre Beiträge vorgestellt werden.

Das ZKM | Institut für Musik und Akustik wird heute, einen Tag nach der Preisverleihung, ausgewählte Beiträge im ZKM | Karlsruhe präsentieren.

Die Einreichungen von Lasse-Marc Riek, Johann Otten & Marvin Ester laufen in der Nacht vom 29. auf den 30. Oktober um 0.05 Uhr in der Sendung "Kurzstrecke" im Programm von Deutschlandfunk Kultur.


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Die Junge Akademie wurde im Jahr 2000 als weltweit erste Akademie für herausragende junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ins Leben gerufen. Ihre Mitglieder stammen aus allen wissenschaftlichen Disziplinen sowie aus dem künstlerischen Bereich – sie loten Potenzial und Grenzen interdisziplinärer Arbeit in immer neuen Projekten aus, wollen Wissenschaft und Gesellschaft ins Gespräch miteinander und neue Impulse in die wissenschaftspolitische Diskussion bringen.

Die Junge Akademie wird gemeinsam von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (BBAW) und der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina getragen. Sitz der Geschäftsstelle ist Berlin.

Kontakt:
Anja Spiller | presse@diejungeakademie.de | T: (030) 203 70-453

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