19.10.2015

Juniorprofessur auf dem Prüfstand

Eine neue Studie der Jungen Akademie zeigt gravierende Unterschiede bei der Ausgestaltung der Juniorprofessur auf.

Die Studie der Jungen Akademie zeigt substanzielle Unterschiede in der Berufungspraxis bei Juniorprofessuren. Angesichts aktueller Vorschläge, die Juniorprofessur als einen „Standardweg“ zur Lebenszeitprofessur zu etablieren, fordern die AutorInnen der Studie eine Vereinheitlichung der Standards und ein Hausberufungsverbot für JuniorprofessorInnen. Dieses Verbot sei notwendig, da mitunter bis zu 50% der Stellen mit internen KandidatInnen besetzt würden.

Gravierende Unterschiede in der Berufungspraxis

Wie die Studie belegt, bestehen insbesondere zwei gravierende Unterschiede in der Ausgestaltung der Juniorprofessur: (1) Der Anteil der Juniorprofessuren an allen Professuren einer Universität divergiert zwischen weniger als 5 und über 30 Prozent. (2) Der Anteil der JuniorprofessorInnen, die bereits an derselben Universität promoviert wurden, liegt im Schnitt bei etwa 20 Prozent, ist jedoch mit über einem Drittel an einigen Universitäten auffallend hoch. „Die Unterschiede in der Berufungspraxis lassen sich nicht mit Unterschieden in den Regelungen der Landeshochschulgesetze oder unterschiedlichen Fächerschwerpunkten erklären. Vielmehr scheinen unterschiedliche wissenschaftspolitische Konzepte ausschlaggebend dafür zu sein“, stellt Moritz Schularick, einer der drei AutorInnen, fest.

Hoher Frauenanteil – kaum Tenure Track

Die Studie befasst sich mit der Berufungspraxis bei Juniorprofessuren in Deutschland zwischen 2005 und 2013 und stützt sich auf Informationen von 52 deutschen Universitäten mit insgesamt 1.561 Juniorprofessuren aus allen Bundesländern. „Positiv ist der vergleichsweise hohe Frauenanteil bei JuniorprofessorInnen zu sehen. Negativ fällt auf, dass ein Großteil der Juniorprofessuren ohne formale ‚Tenure Track‘-Option geschaffen wurde“, so die Mitautorin Jule Specht.

Hausberufungsverbot als Voraussetzung für internationale Aufwertung der Juniorprofessuren

Angesichts der substanziellen Unterschiede empfehlen die AutorInnen vergleichbare Standards bei der Implementierung von Juniorprofessuren an deutschen Hochschulen. Mitautorin Sibylle Baumbach fügt hinzu: „Ein Hausberufungsverbot, wie bei Lebenszeitprofessuren üblich, würde dazu beitragen, eine transparente Stellenkategorie zu schaffen, die einen Einstieg in eine unbefristete Professur nach einer kompetitiven Auswahl ermöglicht.“

Entstanden ist die Studie im Rahmen der interdisziplinären Arbeitsgruppe Wissenschaftspolitik der Jungen Akademie. Sie ist die erste umfassende und systematische Untersuchung zur Einrichtung und Besetzung von Juniorprofessuren an deutschen Universitäten. Die drei AutorInnen Moritz Schularick (Universität Bonn), Jule Specht (Freie Universität Berlin) und Sibylle Baumbach (Universität Innsbruck) wurden dabei von 37 weiteren aktiven und ehemaligen Mitgliedern der Jungen Akademie unterstützt. Die Junge Akademie begleitet die Juniorprofessur seit ihrer Einführung im Jahr 2002 mit kritischen Stellungnahmen und Empfehlungen. Die aktuelle Veröffentlichung ist die vierte Untersuchung zur Juniorprofessur.

 

Moritz Schularick, Jule Specht, Sibylle Baumbach et al., Berufungspraxis bei Juniorprofessuren in Deutschland 2005-2013. Berlin 2015 (ISBN: 978-3-00-050910-0)

 

Die Studie zum Download:

www.diejungeakademie.de/publikationen/stellungnahmen/

Kontakt: Anja Spiller und Dr. Angelika Winnen
presse@diejungeakademie.de

Tel.: (030) 203 70-453/-563

Die Junge Akademie wurde im Jahr 2000 als weltweit erste Akademie für herausragende junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ins Leben gerufen. Ihre Mitglieder stammen aus allen wissenschaftlichen Disziplinen sowie aus dem künstlerischen Bereich – sie loten Potenzial und Grenzen interdisziplinärer Arbeit in immer neuen Projekten aus, wollen Wissenschaft und Gesellschaft ins Gespräch miteinander und neue Impulse in die wissenschaftspolitische Diskussion bringen.
Die Junge Akademie wird gemeinsam von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (BBAW) und der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina getragen. Sitz der Geschäftsstelle ist Berlin.

Die interdisziplinäre Arbeitsgruppe Wissenschaftspolitik wurde u. a. mit dem Ziel gegründet, die Diskussion darüber, was nach der Exzellenzinitiative kommen soll, mitzuführen, Vorschläge kritisch zu begleiten und eigene Vorschläge zu unterbreiten.

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