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23.05.2018

Sicht der spezifischen Fachkulturen eröffnet Horizonte

Die Philosophin Kristina Musholt und der Biologe Christian Hof sprechen für die AG Wissenschaftspolitik. Mit uns reden sie über die Themen, die in der mitgliederstärksten AG der Jungen Akademie aktuell bearbeitet werden.

Kristina Musholt und Christian Hof | Foto links: Tom Thiele, Foto rechts: J. Kratschmer

Die fächerübergreifenden Arbeitsgruppen sind das „Herzstück“ der Jungen Akademie. Was macht diese Arbeitsform für Euch so attraktiv?
Die Offenheit für alle, die mitmachen wollen, die Möglichkeiten, in verschiedenen Formaten zu arbeiten und so der Kreativität der Aktiven viel Raum zu lassen, und die Diversität der Diskussionsbeiträge hinsichtlich der verschiedensten fachlichen, politischen und persönlichen Perspektiven.
Gerade in der AG Wissenschaftspolitik ist die schiere Zahl der Mitglieder und damit auch die Diversität der Meinungen, Vorstellungen und Interessen besonders groß. Das ist einerseits ein ungeheures Potential, andererseits aber auch eine Herausforderung: Was wir erreichen wollen, ist, die Diversität und auch den inhaltlichen Dissens produktiv zu nutzen. Das ist uns schon vielfach gelungen und wir arbeiten daran, dass uns dies noch besser gelingt.

Ihr seid seit 2014 beziehungsweise seit 2015 Mitglieder der Jungen Akademie. Außerdem seid Ihr gemeinsam die Sprecher der AG Wissenschaftspolitik. Welches Projekt, an dem Ihr gemeinsam gearbeitet habt, ist Euch in besonderer Erinnerung geblieben?
Die Debatte um das Departmentstruktur-Papier und damit einhergehend die Vorbereitungen für unser Symposium zu dem Thema am 4. Juni beschäftigen uns derzeit sehr. Wir freuen uns auf die Diskussionen darüber, inwieweit das von uns vorgeschlagene Modell der Departmentstruktur tatsächlich ein zukunftsfähiges Konzept im deutschen Wissenschaftssystem sein könnte und wo die Chancen und Herausforderungen liegen.

In der AG sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus ganz unterschiedlichen Fachrichtungen versammelt. An welchen Stellen war dieser interdisziplinäre Ansatz für den Erkenntnisgewinn besonders wichtig?
Der Blick aus Sicht der spezifischen Fachkulturen auf wissenschaftspolitische Fragestellungen eröffnet Horizonte und befördert quasi automatisch das Reflektieren der eigenen Sichtweise. Wenn wir als Biologe oder als Philosophin uns zum Beispiel über ein bestimmtes Problem beklagen und eine übergreifende Lösung vorschlagen in der Annahme, das sei ein generelles Defizit im Wissenschaftssystem, dann hilft uns die Sicht des Althistorikers oder der Physikerin, wenn diese uns sagen, dass das in ihren Disziplinen überhaupt kein Thema ist und so unser jeweiliges Problem als Disziplinensymptom entlarven. Und wenngleich es uns beide manchmal stört, dass manch innovatives Konzept von vornherein aus juristischen Gründen als unrealistisch abqualifiziert wird, so hilft die Kenntnis des Rechtswissenschaftlers bei der strategischen Bewertung und politischen Einordnung so manchen Vorschlags doch sehr weiter.

Woran arbeiten die Mitglieder der AG aktuell?
In der AG stehen verschiedenste Projekte auf dem Plan, darunter: Die Weiterführung der Department-Debatte beschäftigt uns beide aktuell. Martin Dresler arbeitet federführend an einem Projekt zu den Kosten und dem Nutzen von Drittmittelanträgen. Christoph Lundgreen beschäftigt sich gemeinsam mit anderen Mitgliedern mit dem Thema (Fehl-)Anreize im Wissenschaftssystem. Zusammen mit der DGJ (Deutsche Gesellschaft Juniorprofessur) begleiten einige Mitglieder der AG den Nachwuchspakt und haben die Online Plattform alma meta ins Leben gerufen. Um das Thema „Tenure Track“ kümmert sich derzeit Thomas Böttcher sehr intensiv. Schließlich möchten mehrere Mitglieder sich in Zukunft verstärkt mit den Themen Bildungsgerechtigkeit und Diversität im Wissenschaftssystem beschäftigen. Es bleibt also spannend!

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