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07.01.2019

Salon Sophie Charlotte: ver|mes|sen

Am 19. Januar 2019 öffnet die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften wieder ihre Türen für den Salon Sophie Charlotte. Auch die Junge Akademie ist mit einem abwechslungsreichen Programm dabei.

Bild: Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften

„Messen, was messbar ist – messbar machen, was nicht messbar ist.“ Hatte Galilei mit diesem Diktum zunächst nur der modernen Naturwissenschaft ein Programm gegeben, ist das Messen heute in allen Wissenschaften und in den Gegenwartsgesellschaften selbst allgegenwärtig. Aber wo gemessen wird, besteht immer auch die Gefahr, sich zu vermessen. Ausgehend von dieser Tatsache werden sich im Rahmen des SSC 2019 die zehn neuen Mitglieder der Jungen Akademie vorstellen, indem sie sich mit drei unterschiedlichen Themenkomplexen befassen, die sich aus den drei Bedeutungen von vermessen ergeben.

19.00 Uhr ver|mes|sen: 1. (gehoben) etwas Unangemessenes [mit Überheblichkeit] tun oder sagen
 

Im ersten Teil soll vermessen im Sinne von „anmaßend“ im Mittelpunkt stehen. In einer Podiumsdiskussion werden die Mitglieder der Jungen Akademie mit Vertretern unterschiedlicher Disziplinen die Frage diskutieren, ob, und wenn ja, wie viel Vermessenheit eigentlich zur Wissenschaft gehört. Dabei reicht das Spektrum möglicher Themen von der Anmaßung selbst, die wissenschaftliches Forschen etwa aus bestimmten religiösen Perspektiven darstellen mag, über „vermessene“ Thesen und Hypothesen bis hin zu Fällen der Manipulation von Zahlen in der Wissenschaft.

Podiumsdiskussion zur (notwendigen?) Vermessenheit der Wissenschaft mit Waltraud Schelkle (Politikökonomin, London School of Economics) und Stefan Selke (Soziologe, Hochschule Furtwangen)

20.00 Uhr ver|mes|sen: 2. falsch messen; sich beim Messen irren

Im zweiten Teil des Programms wird vermessen im Sinne von „fehlerhaft messen“ thematisiert, und zwar gleich zweifach: Im ersten Teil werden die zehn neuen Mitglieder der Jungen Akademie in einem Science Slam mit kurzen Vorträgen über eigene Erfahrungen des Vermessens und Falschmessens oder auch über bekannte und weniger bekannte wissenschaftliche Messfehler gegeneinander antreten. Welcher der beste Vortrag war, das wird selbstverständlich gemessen! Im zweiten Teil wird durch einen musikalischen Beitrag die Differenz zwischen „hard science“ und „soft science“ performativ thematisiert, und zwar durch verschiedene Interpretationen desselben (unter anderem metrisch) genau „vermessenen“ Musikstücks.

Science Slam der Mitglieder der Jungen Akademie, gefolgt von einer musikalischen Performance zum Thema 

21.15 Uhr ver|mes|sen: 3. etwas genau in seinen Maßen festlegen 

Im dritten Teil soll schließlich dem Thema vermessen im Sinne von „messen“ bzw. „ausmessen“ nachgegangen werden. Dabei stellt das Thema des Messens und Vermessens als Programm der Wissenschaft nur den Ausgangspunkt dar für die kritische Diskussion des Messens als allgemeinem Programm in den Gegenwartsgesellschaften. Immer mehr wird die Zahl zum Maß allen gesellschaftlichen Werts, aber auch des Werts und der Werte ihrer Mitglieder. Eine solche „Quantifizierung des Sozialen“ hat unter anderem der Berliner Sozialwissenschaftler Steffen Mau kürzlich unter dem Titel Das metrische Wir kritisiert. Gemeinsam mit Mau und weiteren Gästen soll die kritische Dimension des Messens und Vermessens diskutiert werden.

Podiumsdiskussion zum Thema „Die Quantifizierung des Sozialen” mit Steffen Mau (Soziologe, Humboldt-Universität zu Berlin, BBAW-Mitglied) und Peter Kirsch (Neurowissenschaftler, Universität Heidelberg)
22.00 Uhr Den Abend über werden bei uns auch Sie vermessen!

Die zehn neuen Mitglieder wollen nicht nur sich selbst vorstellen, sondern auch die Gäste des Salons näher kennenlernen ‒ freilich indem sie diese „vermessen“. Den ganzen Abend soll den Gästen die Möglichkeit gegeben werden, Fragen zu beantworten, die im letzten Teil des Abends mit ihnen gemeinsam ausgewertet werden.

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Außerdem nehmen der Sprecher der Jungen Akademie und Althistoriker Christoph Lundgreen und der Psychiater Alkomiet Hasan, beide seit 2016 Mitglieder der Jungen Akademie, auf Einladung der Historikerin und Ratsmitglied der Jungen Akademie Barbara Stollberg-Rilinger an einem Gespräch zum Thema Vermessung der Wissenschaft teil. Weitere Podiumsgäste sind der Soziologe Peter Weingart (auch Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften), der Wissenschaftsforscher Stefan Hornbostel sowie die Mitglieder der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften Martin Korte (Neurobiologe, Technische Universität Braunschweig) und Joachim Sauer (Chemiker, Humboldt-Universität zu Berlin). Das Gespräch findet um 21 Uhr im Einstein-Saal statt und wird von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften selbst organisiert.

Gesamtprogramm

Einladungsflyer der Jungen Akademie

Pressemitteilung zum Salon Sophie Charlotte

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