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28.08.2018

Sag', wie hältst du's mit der Visualisierung?

Miriam Akkermann ist Musikwissenschaftlerin und Klangkünstlerin an der Universität Bayreuth. Neben der Musik fasziniert sie auch das Thema Visualisierung. Als Sprecherin der gleichnamigen AG erklärt sie uns diese Faszination.

Miriam Akkermann, Musikwissenschaftlerin und Klangkünstlerin an der Universität Bayreuth

Header-Bild: Brannon Naito

Die fächerübergreifenden Arbeitsgruppen sind das „Herzstück“ der Jungen Akademie. Was macht diese Arbeitsform für Dich so attraktiv?
In der Zusammenarbeit zeigt sich oft, wie verschieden nicht nur die Inhalte, sondern auch die formalen Abläufe oder Annahmen hinsichtlich der Arbeitsstrukturen in den verschiedenen Disziplinen sind. Gleichzeitig ist es faszinierend, wie vielfältig ein scheinbar offensichtliches Thema aufgefasst werden kann und wie viele unterschiedliche Blickwinkel es gibt. Man lernt neue Herangehensweisen und Assoziationen kennen, an die man aus Sicht der eigenen Disziplin vielleicht nicht gedacht hätte. Das erweitert nicht nur das Wissen, sondern hilft oft auch, Missverständnisse im akademischen Diskurs zu verstehen. Am spannendsten finde ich persönlich dabei aber die Erweiterung des eigenen wissenschaftlichen Horizonts, immer wieder neue Fragen zu finden, die es Wert sind, diskutiert zu werden.

Du bist seit 2015 Mitglied der Jungen Akademie. Außerdem bist du Sprecherin der AG „Visualisierung“. Welches Projekt, an dem Ihr gemeinsam gearbeitet habt, ist Dir in besonderer Erinnerung geblieben?
Am eindrücklichsten war ein Workshop zu Visualisierungsstrategien, den wir innerhalb der AG organisiert haben. In der ersten Phase haben wir uns gegenseitig Visualisierungen gezeigt, die wir in Präsentationen oder für Paper verwenden. Aufgabe für die Gruppe war es, diese Visualisierung zu beschreiben und die Kernaussage zu entschlüsseln. Eine Abbildung zeigte viele Symbole und Farben, die wild interpretiert wurden, die aber eigentlich nur als schöne – reichlich irreführende – Darstellungsform ohne weitere Bedeutung angelegt waren. Sympathisch im Gedächtnis bleiben mir dabei auch die amüsierten Kommentare der Werbefachfrau, die wir als Impulsreferentin eingeladen hatten, und die unsere Abbildungen nach graphischen Maßgaben analysierte. Auch wenn wir im Fachkontext oft denken, dass unsere Abbildung eindeutig seien, so wurde eindrücklich gezeigt, dass es sicher gerade hinsichtlich einer Kommunikation mit der Gesellschaft für die Wissenschaft unabdingbar ist, mehr über die Standards außerhalb des eigenen Fachs zu lernen.

In der AG sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus ganz unterschiedlichen Fachrichtungen versammelt. An welchen Stellen war dieser interdisziplinäre Ansatz für den Erkenntnisgewinn besonders wichtig?
Wenn man betrachtet, wie unterschiedliche Disziplinen mit dem Thema „Visualisierung“ zu tun haben, erfährt man eine Menge über Visualisierung an sich. So ist in den Naturwissenschaften beispielsweise die Darstellung der Daten eine große Herausforderung, sollen diese doch einfach verständlich und zudem schön anzusehen sein. In anderen Bereichen ist wiederum das Bild oder die Visualisierung selbst der Untersuchungsgegenstand. Schnittmengen aller Disziplinen liegen etwa in der Verwendung von Visualisierung in der Lehre, aber auch in der Verwendung von Visualisierung als Platzhalter für den eigentlichen Forschungsgegenstand – ein Thema, dem wir uns 2018 mit dem Workshop „Intermediary Images“ erstmals gewidmet haben.

Woran arbeitet Ihr aktuell?
Aktuell ist ein Workshop zu Mnemotechnik im Dezember unter Federführung von Martin Dresler geplant. Hier wird es einen Tag wissenschaftliche Vorträge aus den Bereichen Neurowissenschaften und Philosophie geben und auch einen praktischen Einführungsworkshop in die Mnemotechnik.

Vielen Dank, Miriam!

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