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20.06.2018

Kochen erweitert den Horizont

Kochen und Essen spielen in der AG Populärkultur(en) immer wieder eine wichtige Rolle. Lena Henningsen, Sprecherin der AG, erklärt, was diese Themen so reizvoll macht.

Lena Henningsen, Sinologin an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Die fächerübergreifenden Arbeitsgruppen sind das „Herzstück“ der Jungen Akademie. Was macht diese Arbeitsform für Dich so attraktiv?
Die absolute Offenheit: disziplinär, formal, personell und und und – wir treffen uns meistens mit einem „harten Kern“ und in der Regel ohne eine Tagesordnung. Und irgendwie entstehen dann im Gespräch über oft recht vage Ideen ganz konkrete Projekte. Offenheit auch deshalb, weil wir für unsere Projekte in der Regel viele KollegInnen jenseits der Jungen Akademie rekrutieren können.

Du bist seit 2013 Mitglied der Jungen Akademie. Außerdem bist du Sprecherin der AG Populärkultur(en). Welches Projekt, an dem Ihr in der AG gemeinsam gearbeitet habt, ist Dir in besonderer Erinnerung geblieben?
Zwei Workshops: Einmal „Lesen, Schreiben Hören”, wo wir Fragen von Text, Autorschaft und Leserschaft diskutiert haben. Und dann der Workshop „Imaginary Foods“ 2016 in Berlin – dort ging es um Praktiken und Projektionen von tatsächlichem und vorgestelltem Essen. Und wir konnten die Grenzen der Interdisziplinarität sehr weit austesten, was ich als vollen Erfolg erlebt habe: Neben den üblichen Verdächtigen an GeisteswissenschaftlerInnen war eine Krebsforscherin an den Diskussionen beteiligt, zwei Food-Blogger und ein Gastro-Kritiker – und unser conference dinner haben wir am Ende gemeinsam selber gekocht. Das ergab extrem viele gute Gespräche, die über unsere jeweiligen Tellerränder hinausgingen.

In der AG sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus ganz unterschiedlichen Fachrichtungen versammelt. An welchen Stellen war dieser interdisziplinäre Ansatz für den Erkenntnisgewinn besonders wichtig?
Eigentlich immer und überall!

Woran arbeitet Ihr aktuell?
Als Fortführung zu „Imaginary Foods“ bereiten wir nun ein Buch über Essen und Erinnerung in den Literaturen der Welt vor, dazu fand gerade ein Workshop in München statt, in dem wir uns mit den Autoren getroffen haben, um die ersten Versionen der Beiträge miteinander zu besprechen. Wir gehen hier von „Proust-Momenten“ aus, also von literarischen Momenten, in denen Essen und beziehungsweise oder Trinken Auslöser von Erinnerungen sind, und von Essens-Topoi, die innerhalb bestimmter Literaturen stil- oder genrebildend sind. Die Beiträge behandeln unterschiedliche dieser Topoi – von Wein über Vegetarismus und Hummer bis hin zur Menschenfresserei – aus unterschiedlichen Literaturen: Die Bibel und arabische Poesie sind ebenso vertreten wie koreanische Gegenwartsliteratur und die europäischen Literaturen unterschiedlicher Epochen. So können wir zum einen tatsächlich kulturelle Variationen in der Behandlung dieser Topoi ausmachen, zum anderen ähnliche literarische Verfahren beobachten – und geben gleichzeitig schlaglichtartige Eindrücke von ganz verschiedenen Weltliteraturen.

Du scheidest in diesem Jahr aus der Jungen Akademie aus. Worauf blickst Du gern zurück?
Auf fünf ganz tolle Jahre, auf viele wissenschaftliche Gespräche, die meinen Horizont stark erweitert haben – und auf eine Reihe neuer Freundschaften, die ja zum Glück auch über das Ausscheiden aus der Jungen Akademie hinweg bestehen bleiben werden!

Vielen Dank, liebe Lena!

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