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03.05.2018

Ein Experiment mit unbekanntem Ausgang

Der Direktor des Departments Biochemistry & Synthetic Metabolism am Max-Planck-Institut für terrestrische Mikrobiologie in Marburg Tobias J. Erb wird im Sommer aus der Jungen Akademie ausscheiden und spricht mit uns über seine Zeit als Mitglied.

Tobias J. Erb, Max-Planck-Institut für terrestrische Mikrobiologie in Marburg | Foto: Max Planck Gesellschaft

Warum hast Du Dich um die Aufnahme in die Junge Akademie bemüht?
Zum einen hatte ich Lust, über meinen fachspezifischen Tellerrand hinauszublicken und den interdisziplinären Austausch mit den Mitgliedern zu suchen. Zum anderen hat es mich gereizt, im Rahmen der Jungen Akademie in einen Dialog mit der Öffentlichkeit treten zu können, wissenschaftlich-gesellschaftliche Herausforderungen zu identifizieren und aktiv Positionen zu beziehen. Dies nicht nur im Kontext meines eigenen Forschungsfeldes – „synthetische Biologie“ –, sondern auch in einer sich verändernden Wissenschaftslandschaft. Zu guter Letzt auch: Eine große Portion Neugier auf ein spannendes Experiment mit unbekanntem Ausgang, ich bin ja schließlich Vollblut-Wissenschaftler…

An welche Erlebnisse im Zusammenhang mit der Jungen Akademie denkst Du gern zurück?
Die Plena und Mitgliedertreffen, sei es in Zürich, Straßburg oder Castrop-Rauxel. Wo sonst kann man Wetterdaten in Form eines Musikstückes hören oder über ein sich evolvierendes Gedicht aus DNA lernen? Dann noch: Ein intensives Wochenende in einem kleinen Hotel in der Nähe von Frankfurt an dem wir im kleinen Team den Kerntext zur „Bundesprofessur“ verfassten. Ganz besonders in Erinnerung bleiben auch die Abende auf der Dachterrasse der BBAW mit Blick auf die Berliner Skyline und interessanten und interessierten Gesprächspartnern nach einer gelungenen Veranstaltung der Jungen Akademie.

Was macht für Dich interdisziplinäres Arbeiten aus?
Interdisziplinäres Arbeiten bedeutet, viel zuzuhören, versuchen seine(n) Gegenüber zu verstehen. Vor allem aber auch, die eigene Unwissenheit und Ignoranz zu akzeptieren. Kann man aber erst einmal die Sicht auf ein Problem verändern und es aus mehreren Blickwinkeln betrachten, ist es ein wunderbares Gefühl und eine Bereicherung.
 
An welcher Frage arbeitest Du gerade im Rahmen der Jungen Akademie?
Momentan gibt es noch einiges für die Nachbereitung der Veranstaltung „Synthetische Biologie – Ein Blick in die Zukunft“ zu tun, die am 15. März in Berlin stattfand. Es war ein spannender Tag, an dem wir von der Jungen Akademie in einem interaktiven Forum mit interessierten Bürgerinnen und Bürgern Technologiezukünfte erarbeitetet und diskutiert haben. Was kann die synthetische Biologie heute und was im Jahr 2050? Wie werden wir die synthetische Biologie im Alltag anwenden? Was für gesellschaftliche Implikationen könnte dies haben? Die Bandbreite der Teilnehmerinnen und Teilnehmer dabei war wirklich beeindruckend: Die jüngste Teilnehmerin war 16 Jahre alt, der älteste Teilnehmer 76. Auch die fachlichen Hintergründe waren sehr unterschiedlich: von der Schülerin, über den Künstler und die Biologin bis hin zum Journalisten.

Welches Thema würdest du während deiner Mitgliedschaft in der Jungen Akademie noch gern bearbeiten?
Es bleibt für mich selbst nicht mehr viel Zeit, da ich ja bald ausscheiden werde. Aber ich denke, dass es nicht an spannenden Themen mangeln wird, die die Junge Akademie und ihre Mitglieder weiter beschäftigen werden: Wie wollen und können wir in Deutschland den Übergang in ein nachhaltiges Tenure-Track System gestalten? Wie können wir die Öffentlichkeit frühzeitig in die Entwicklung neuer Technologien einbeziehen und technologischen Fortschritt demokratisieren? Und zu guter Letzt: Wie gehen wir Wissenschaftler im Zeitalter „alternativer Fakten“ zukünftig mit Politik und Gesellschaft um?

Was erhoffst Du Dir von der weiteren Zeit in der Jungen Akademie?
Ich versuche, die letzten Monate meiner Mitgliedschaft noch intensiv zu genießen. Dann wird es aber auch Zeit, den Staffelstab an die Nachfolgenden weiterzugeben. Die Junge Akademie ist ja darauf ausgelegt, sich ständig von innen heraus zu erneuern, denn jede Generation hat ihre eigenen Sorgen, Wünsche und Träume. Dieses Häuten ist zwar schmerzhaft aber wichtig für die Institution „Junge Akademie“, um nicht zu verkrusten.

Vielen Dank, Tobias!

Zur Mitgliedsseite von Tobias J. Erb

Zum Max-Planck-Institut fü terrestrische Mikrobiologie

Hier geht es zu einem Beitrag von 3sat nano über die Arbeit von Tobias Erb.

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