YouTubeVimeo

KlimaLectures

Über das Projekt

Das Ökosystem Erde wurde jeher vom Menschen mit geformt. Spätestens  seit  der Industrialisierung im 19. Jahrhundert hat diese menschliche Einflussnahme jedoch eine andere Dimension angenommen, so dass die Wissenschaft mittlerweile von einer neuen Erdzeitepoche, dem Anthropozän, spricht. Die Veränderungen, die die menschlichen Einflüsse im Ökosystem hervorrufen, sind dabei insofern besorgniserregend, als sie Lebensräume in gewaltigem Maße verändern, und in vielen Regionen die Lebensgrundlagen für dort beheimatete Pflanzen, Tiere und Menschen zerstört werden. Die Welt, wie wir sie kennen, droht aus den Fugen zu geraten. Ein entscheidender Faktor dabei ist der Klimawandel, der durch den von Menschen verursachten erhöhten Ausstoß von Treibhausgasen (wie beispielsweise CO2 oder Methan) hervorgerufen wird. Aber auch die Verunreinigung der Umwelt z. B. durch Plastik hat einen größeren Einfluss auf Lebensräume und Kreisläufe in Ökosystemen als bisher angenommen.

 

mehr

Um die Problematik der Erderwärmung und menschliche Einflussfaktoren auf die Umwelt zu thematisieren, haben Mitglieder der Jungen Akademie die Veranstaltungsreihe KlimaLectures ins Leben gerufen, mit der sie auch ihre Solidarität mit Bewegungen wie Fridays for Future bezeugen wollen. Hierbei sollen die beobachtbaren und erwarteten (Klima-)folgen sowie Problemstellungen der Vermeidung und Anpassung beleuchtet und darüber hinaus weitere sich ergebende Fragen auf der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Gesellschaft adressiert werden: Wie gehen wir mit individueller und kollektiver Verantwortung um? Wie ist das Pariser Klimaabkommen vereinbar mit den Zielen für nachhaltige Entwicklung? Welche Rolle spielen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der Klimakommunikation?

 

#2: Ethik und Klimawandel, 24.01.2020

Vortrag von Dr. Eugen Pissarskoi
und anschließende Diskussion
Freitag, 24.10.2020, 18:00-20:00 Uhr
Einstein-Saal
Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften
Jägerstr. 22/23, 10117 Berlin

Die Menschheit emittiert gegenwärtig Treibhausgase in einem Ausmaß, das globale Erderwärmung verursacht. Durch ihre Folgen dürften moralische Rechte von sehr vielen Menschen verletzt werden. Das ist unbestreitbar ungerecht. Doch wie schnell und wie stark sollte die Erderwärmung begrenzt werden? Und wie viele Treibhausgase darf die Menschheit in der Zukunft in die Atmosphäre abgeben?

Antworten hierauf sind aktuell umstritten. Einige zivilgesellschaftliche Akteur*innen fordern drastische Reduktionen der Treibhausgasemissionen bereits in den nächsten Jahren. Dagegen halten es einige Klimaökonom*innen für gerecht, wenn diese Emissionen bis in die Mitte des Jahrhunderts weiterhin ansteigen. Ein Grund für diese Kontroverse liegt in unterschiedlichen Auffassungen darüber, wie wir unter Unsicherheit handeln sollen. Uneinigkeit herrscht über die Antwort auf die folgende ethische Frage: Welche Handlungen sollen wir wählen, wenn wir die eindeutigen Folgen unserer Handlungsoptionen nicht vorhersehen können, wir aber wissen, dass einige Handlungsoptionen Dritte schädigen können? Zahlreiche Klimaökonom*innen wie auch -ethiker*innen sind davon überzeugt, dass die sogenannte „Theorie des erwarteten Nutzens“ Antworten auf diese ethische Frage bietet. Sie sollte demnach unterstellt werden, um die Klimaziele zu begründen. Im Gegensatz dazu argumentieren andere Wissenschaftler*innen, dass die Unsicherheiten über die Klimafolgen derart gravierend seien, dass die Theorie des erwarteten Nutzens nicht anwendbar sei. Sie leiten Antworten auf die obige ethische Frage aus sogenannten „Vorsorgeprinzipien“ ab.

Der Klimaethiker Dr. Eugen Pissarskoi wird darüber reflektieren, wie klimapolitische Handlungsempfehlungen im Lichte der bestehenden Unsicherheiten begründet werden sollten.

Pissarskoi studierte Philosophie und Volkswirtschaftslehre an den Universitäten Mannheim und der Freien Universität Berlin, wo er sich mit einer Arbeit zu Klimaethik promovierte. Er arbeitete viele Jahre am Berliner „Institut für ökologische Wirtschaftsforschung“. Seit 2017 forscht er am Internationalen Zentrum für Ethik in den Wissenschaften, Universität Tübingen und koordiniert dort aktuell ein Forschungsvorhaben, das sich mit gerechter Gestaltung einer globalen Bioökonomie beschäftigt.

Die Veranstaltung richtet sich an alle Interessierten, die Teilnahme ist kostenlos.

 

Um Anmeldung wird gebeten: anmeldung-klimalecture.diejungeakademie.de

 

 

Dr. Eugen Pissarskoi © Stefanie Freier

(Kopie 9)

#1: Mikroplastik, 18.10.2019

Vortrag von Dr. Thomas Mani
und anschließende Diskussion mit den Mitgliedern der Jungen Akademie Ricarda Winkelmann und Robert Kretschmer
Freitag, 18.10.2019, 18:00-20:00 Uhr
Einstein-Saal
Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften
Jägerstr. 22/23, 10117 Berlin

Präsentation von Dr. Thomas Mani hier.

Längst dominieren Kunststoffe die Materialien unseres Alltags. Von der Zahnbürste über das Mobiltelefon bis zum Auto – der hohe Plastikanteil einer schier unendlichen Palette an Produkten ist unübersehbar. Wurden in den 1950er Jahren global rund 1,5 Millionen Tonnen Plastik produziert, sind es heute bereits über 400 Millionen Tonnen. Der mehr als 250-fache Zuwachs innerhalb von 70 Jahren zeugt von einem überwältigenden Siegeszug auf dem Weltmarkt.

In der Nutzung schätzen wir die enorme Widerstandsfähigkeit des Plastiks – in der Umwelt wird dies zum großen Problem: Es dauert dutzende bis hunderte und gar tausende von Jahren, bis die Produkte abgebaut werden. Viel eher splittert Plastik in immer kleinere Teile – in Unmengen von Mikroplastik. Und weil ständig neuer Abfall dazukommt, reichert sich der Kunststoffmüll kontinuierlich an. So finden Forscherteams Makro- und Mikroplastik heute in jedem erdenklichen Winkel unseres Planeten. Während Säugetiere und Vögel von größeren Abfallstücken, etwa durch Verschlucken, bedroht sind, können Mikroplastikpartikel in den Verdauungstrakt von Kleinstlebewesen wie Fischen oder Plankton gelangen. Dort entfalten sich mechanische und toxische Gefährdungspotenziale aus stoffeigenen oder anhaftenden Substanzen (Weichmacher oder Pestizide). Die gesamte Nahrungskette ist davon betroffen, und somit ist auch der Mensch vor den Schattenseiten unseres Wundermaterials nicht gefeit.

Dr. Thomas Mani ist britisch-schweizerischer Doppelbürger. Er studierte Geografie und Nachhaltige Entwicklung in Basel und promovierte zum Thema Plastikverschmutzung in Fluss- und Meeresumgebungen. Er war unter anderem Gastwissenschaftler am Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung und war mit dem Forschungsschiff Polarstern auf Expedition in die Antarktis. Derzeit berät Mani diverse Umweltorganisationen rund um Fragen zu Mikroplastik. Er arbeitet aktuell bei der Schweizer Umwelt-NGO Pusch in Zürich.

Die Veranstaltung richtet sich an alle Interessierten, die Teilnahme ist kostenlos. 

 

Dr. Thomas Mani © pusch.ch

Seite empfehlen