17.06.2016

Tenure-Track-Programm geht in die richtige Richtung – aber nicht weit genug

Die AG Wissenschaftspolitik der Jungen Akademie fordert, mit dem Programm eine Reform universitärer Personalstrukturen einzuleiten und spricht sich für die Einführung einer Bundesprofessur aus.

Mit Zustimmung, aber auch mit Kritik und hohen Erwartungen an Bund, Länder und Universitäten hat die AG Wissenschaftspolitik der Jungen Akademie auf das gestern verabschiedete Programm zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses reagiert. Ausdrücklich begrüßt wird das ernsthafte Bemühen der Politik um bessere Perspektiven für hochqualifizierte junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. „Wenn mit dem Tenure-Track-Programm tatsächlich erreicht wird, dass wissen-schaftliche Karrieren früher eigenständig und planbarer werden, ist dies auf jeden Fall ein wichtiger Fortschritt“, sagt Jule Specht, neue Sprecherin der AG Wissenschaftspolitik der Jungen Akademie.

Kritik bezieht sich auf die im Vorfeld wenigen Informationen zur konkreten Ausgestaltung des Bund-Länder-Programms. Die Zusage der Schaffung von 1.000 zusätzlichen Professuren durch die Länder sei zwar zu begrüßen. Die Skepsis darüber, ob diese zusätzlichen Professuren auch langfristig erhalten bleiben, ist jedoch groß. „Die Länder müssen hier ihrer Verantwortung nachkommen, die Grundfinanzierung der Hochschulen langfristig zu verbessern. 1.000 zusätzliche Stellen sind ein guter Anfang, aber längst nicht genug“, betont Christian Hof, ebenfalls neuer Sprecher der AG Wissenschaftspolitik. Mit der Bundesprofessur haben Mitglieder der Jungen Akademie kürzlich einen weiteren Vorschlag gemacht, wie die Karrierewege junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verbessert werden können.

Bereits erreichte wissenschaftliche Erfolge sollen nicht zum Nachteil werden

Bei der Umsetzung des Tenure-Track-Programms fordert die AG Wissenschaftspolitik der Jungen Akademie, dass diejenigen keine Nachteile erhalten, die sich bereits etwa durch die Berufung auf Juniorprofessuren, die Leitung von Nachwuchsgruppen oder hervorragende Habilitationen ausgezeichnet haben, deren langfristige Perspektiven aber keineswegs sicher sind. „Das Tenure-Track-Programm sollte der Vielfalt der Karrierewege nicht im Weg stehen, sondern einen zusätzlichen Weg zur Lebenszeitprofessur darstellen“, so Christian Hof.

Um das Programm im internationalen Wettbewerb um die besten Köpfe attraktiv zu machen, müsse ferner gewährleistet werden, dass die Vergabe- und Evaluationsverfahren fair und transparent sind, sowie Hausberufungen vermieden werden. Als Chance verstehen die Mitglieder der AG Wissenschafts-politik der Jungen Akademie das Tenure-Track-Programm insofern, als es für den Umbau der akademischen Personalstrukturen genutzt werden kann. Die Reform der Universitäten in Richtung flacher Department-Strukturen mit einer größeren Anzahl selbstständig forschender und lehrender Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hatte die Junge Akademie in einem ihrer letzten Positionspapiere gefordert.

Auswahl von Publikationen der AG Wissenschaftspolitik:

Jule Specht, Ulrike Endesfelder, Tobias J. Erb, Christian Hof, Wolfram Pernice et al. (2016). Die Bundes-professur: Eine personenbezogene, langfristige Förderung im deutschen Wissenschaftssystem. Berlin: Die Junge Akademie (ISBN 978-3-00-053002-9).

Cornelis Menke, Moritz Schularick, Sibylle Baumbach, Robert Wolf u.a. (2013). Nach der Exzellenzinitiative: Personalstruktur als Schlüssel zu leistungsfähigeren Universitäten. Berlin: Die Junge Akademie (ISBN 978-3-00-044145-5).

Publikationen zum Download: http://www.diejungeakademie.de/aktivitaeten/wissenschaftspolitik/ag-wissenschaftspolitik/


Kontakt für Interviewanfragen:
Die Junge Akademie
Anja Spiller        
presse@diejungeakademie.de
Tel.: (030) 203 70-453                                                 


Die Junge Akademie
wurde im Jahr 2000 als weltweit erste Akademie für herausragende junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ins Leben gerufen. Ihre Mitglieder stammen aus allen wissenschaftlichen Disziplinen sowie aus dem künstlerischen Bereich – sie loten Potenzial und Grenzen interdisziplinärer Arbeit in immer neuen Projekten aus, wollen Wissenschaft und Gesellschaft ins Gespräch miteinander und neue Impulse in die wissenschaftspolitische Diskussion bringen. Die Junge Akademie wird gemeinsam von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (BBAW) und der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina getragen. Sitz der Geschäftsstelle ist Berlin.

Die interdisziplinäre AG Wissenschaftspolitik hat sich das Ziel gesetzt, die Diskussion darüber, was nach der Exzellenzinitiative kommen soll, mitzuführen, Vorschläge kritisch zu begleiten und gegebenenfalls auch selbst Vorschläge zu unterbreiten

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