19.05.2016

Finanzmärkte gegen den Klimawandel

Soziologisches Projekt unternimmt Bestandsaufnahme der Divestment-Bewegung

Die 24-stündige Besetzung des Braunkohle-Kraftwerks „Schwarze Pumpe“ in der Lausitz am vergangenen Wochenende verdeutlicht einmal mehr den Druck, dem Energiekonzerne wie der Kraftwerks-Betreiber Vattenfall derzeit ausgesetzt sind. Durch die Beteiligung am Abbau und der Verarbeitung von fossilen Energieträgern wie Erdöl, Kohle oder Gas sehen sich die Unternehmen mit dem Vorwurf konfrontiert, die Erderwärmung weiter anzuheizen.

Um die nur zögerlich voranschreitende Bekämpfung des Klimawandels zu beschleunigen, nutzen Aktivistinnen und Aktivisten aber nicht nur die Blockade von Kraftwerken, sondern verstärken den Druck auf die Energiekonzerne auch über den Finanzmarkt. Hinter dem Schlagwort ‚Divestment‘ versammeln sich derzeit zahlreiche Organisationen und Initiativen, die unter anderem Universitäten, Städte, Kirchen, Stiftungen und Pensionskassen dazu auffordern, sämtliche Investitionen aus Unternehmen abzuziehen, die am Abbau oder der Verarbeitung fossiler Energieträger beteiligt sind.

Bestandsaufnahme einer sozialen Bewegung

Mit dem zweitägigen ExpertInnen-Workshop „DIVESTMENT – (Mit) Geld bewegen? Bestandsaufnahme einer sozialen Bewegung“ möchte die Soziologin und Akademiemitglied Prof. Dr. Stefanie Hiß sowohl die Diversität als auch die Bedeutung der noch jungen Divestment-Bewegung in Deutschland in den Blick nehmen: „Mit zum Beispiel lokalen Aktivistinnen und Aktivisten, Kirchen, Ärzte-Verbänden, Stiftungen, Banken und kritischen Journalistinnen sind wichtige Vertreterinnen und Vertreter der Divestment-Bewegung am Workshop beteiligt“, sagt die Professorin für Soziologie mit dem Schwerpunkt Märkte, Organisationen und Governance an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. „Zudem haben wir die Staatssekretärin der Senatsverwaltung für Finanzen Berlin zu Gast, um von ihr die Überlegungen der Stadt Berlin zum Divestment zu erfahren.“ Gemeinsam mit ihrem Projektteam und Akademiemitglied Dr. Silja Klepp (Universität Bremen) führt die Soziologin den Workshop heute und morgen an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften durch.

Divestment ist dabei nicht nur für das Klima relevant, sondern auch für den Finanzmarkt selbst. Die fossilen Energien, die noch in der Erde liegen, befinden sich zum Teil bereits in den Büchern der großen Energiekonzerne. „Falls diese Reserven im Boden bleiben müssten, um die Klimaziele zu erreichen, könnte die ‚Carbon Bubble‘ platzen – mit möglicherweise weitreichenden Folgen für die globalen Finanzmärkte“, sagt Stefanie Hiß. Inwieweit die Divestment-Bewegung, die seit den Klima-verhandlungen in Paris im vergangenen Dezember einen enormen Auftrieb erhalten hat, das Platzen der ‚Carbon Bubble‘ verhindern und die Bekämpfung des Klimawandels beschleunigen kann, ist ein zentraler Bestandteil der Diskussionen in dem ExpertInnen-Workshop.

Forschungsprojekt "Doppelte Dividende"

Der Workshop wird veranstaltet von der Jungen Akademie und ist eingebettet in das vom BMBF im Rahmen der Förderinitiative „Finanzsystem und Gesellschaft“ geförderte Forschungsprojekt „Doppelte Dividende? Beitrag des nachhaltigen Investierens zur Stabilisierung des Finanzmarkts“ unter Leitung von Prof. Dr. Stefanie Hiß.

Kontakt für Interview-Anfragen:
Die Junge Akademie   
Anja Spiller
presse@diejungeakademie.de                               
Tel.: (030) 203 70-453                                                   

Die Junge Akademie wurde im Jahr 2000 als weltweit erste Akademie für herausragende junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ins Leben gerufen. Ihre Mitglieder stammen aus allen wissenschaftlichen Disziplinen sowie aus dem künstlerischen Bereich – sie loten Potenzial und Grenzen interdisziplinärer Arbeit in immer neuen Projekten aus, wollen Wissenschaft und Gesellschaft ins Gespräch miteinander und neue Impulse in die wissenschaftspolitische Diskussion bringen.
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