Wissenschaftspolitik (2000-2008)

Karriere und Kind

Knapp 40 Prozent der deutschen Akademikerinnen haben keine Kinder. Diejenigen Frauen, die versuchen, Mutterschaft und einen Beruf als Wissenschaftlerin zu vereinen, sehen sich mit erheblichen Schwierigkeiten konfrontiert und drohen trotz Einsatzes aller Kräfte in mindestens einem der beiden Bereiche zu scheitern. "Mütter, die Wissenschaftlerinnen sind" – "Wissenschaftlerinnen, die Mütter sind"; die Zusammenstellung dieser beiden Begriffe ruft noch allzu häufig den Eindruck hervor, es handle sich hierbei um eine contradictio in adjecto.

Unter dem Arbeitstitel "Mütter als Wissenschaftlerinnen" initiierten Mitglieder der AG Wissenschaftspolitik darum ein Projekt, das diejenigen Frauen zu Wort kommen ließ, die sich in eben dieser Doppelrolle finden. Was haben sie erlebt an Erwartetem und Unerwartetem, an bitteren und glücklichen Momenten, in ihrem Versuch, Wissenschaftlerin und zugleich Mutter zu sein? Was hat, was hätte ihnen geholfen? Wie es sich lebt mit zwei Berufen, die beide maximal fordern und sich zu einem 24-Stunden-Dienst aufaddieren, wissen zumeist nur die Betroffenen.

Den AG-Mitgliedern ging es nicht um ein Plädoyer mit dem Ziel, mehr Wissenschaftlerinnen zur Mutterschaft zu bewegen oder davon abzuhalten. Vielmehr sollen die Perspektiven und die Erfahrungen von Mütter-Wissenschaftlerinnen als wertvolle Ressource nutzbar gemacht werden, insbesondere für diejenigen Frauen, die sich am Beginn dieses Weges finden, aber auch für deren Partner und Familien sowie für politische Entscheidungsträger.

Sammelband mit Beiträgen renommierter Forscherinnen

Die Ergebnisse wurden im Frühjahr 2005 in einem Sammelband unter dem Titel "Karriere und Kind" im Campus Verlag, Frankfurt am Main, veröffentlicht, herausgegeben von Nikola Biller-Andorno, Katharina Landfester, Min Ae Lee-Kirsch und Anna Jakovljevic. Zu den Autorinnen zählen sowohl junge Nachwuchswissenschaftlerinnen als auch renommierte Vertreterinnen der deutschen Wissenschaft wie Aleida Assmann, Lorraine Daston (gemeinsam mit Ehemann Gerd Gigerenzer), Gertrud Lübbe-Wolf und Dagmar Schipanski. Der Band beginnt mit einem Geleitwort von Jutta Limbach.

Das Buch wurde im Juni 2005 auf einer Pressekonferenz in Bonn der Öffentlichkeit vorgestellt. Neben Autorinnen und der Mitherausgeberin Katharina Landfester saß Nobelpreisträgerin Christiane Nüsslein-Volhard auf dem Podium, die mit ihrer neu gegründeten Stiftung dasselbe Ziel verfolgt wie die Junge Akademie. Mit Stipendien, die für Kinderbetreuung und Haushaltshilfen verwendet werden dürfen, setzt sie sich dafür ein, dass Kinder kein Karrierehindernis für exzellente Wissenschaftlerinnen darstellen.

"Karriere und Kind" (Campus Verlag)

 
 
 
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