Wissenschaftspolitik (2000-2008)

Dual Careers

Im Rahmen des Projekts zu Doppelkarrieren in Akademikerpartnerschaften ("dual careers") wurde die Frage der Vereinbarkeit von Beruf und Familie durch Umfragen an Universitäten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen, Literaturstudien und Datenerhebungen bei Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern untersucht.

Ausgangspunkt des Projekts war eine Befragung zur Problematik doppelter Karrieren in Akademikerpartnerschaften, die im Sommer 2001 von der AG Wissenschaftspolitik an allen Einrichtungen im Hochschulbereich durchgeführt wurde. Die Ergebnisse der Befragung wurden im Juni 2002 veröffentlicht. Im Auftrag der AG Wissenschaftspolitik erarbeitete die Projektmitarbeiterin Alessandra Rusconi außerdem Literaturstudien zum Forschungstand der "Dual Career"-Forschung in Europa und den USA sowie zur Politik nordamerikanischer Hochschulen in dieser Frage. Alle Studien wurden im Sommer 2002 als pdf-Dateien im Internet veröffentlicht.

2003 folgten empirische Analysen mit dem Mikrozensus 1997 zu Alters- und Erwerbskonstellationen in Akademikerpartnerschaften sowie weitere Untersuchungen mit dem Mikrozensus 1971-1997, die im Frühjahr 2004 online veröffentlicht wurden. (Mikrozensus 1997 Rusconi, Mikrozensus 1971-1997 Rusconi)

Presseberichte und Präsentationen

Auf die Veröffentlichung der Ergebnisse der Befragung folgten verschiedene Presseberichte und Interviews sowie zahlreiche Einladungen zur Präsentation der Ergebnisse auf Veranstaltungen, darunter ein gemeinsamer Workshop von DFG und Stifterverband im Februar 2003, eine Tagung des Arbeitsausschusses "Förderung von Wissenschaftlerinnen" der MPG im Oktober 2003, die 7. Deutsche Physikerinnentagung oder – im Februar 2004 – ein Kolloquium des Deutschen Hochschullehrerinnenbundes.

Gegenstand der Befragung war die Verflechtung von Berufskarrieren sowie von Beruf und Familie, die für junge WissenschaftlerInnen immer mehr an Bedeutung gewinnt. Nicht nur die eigene Karriere muss geplant werden, wenn auch der Partner oder die Partnerin selbst eine universitäre bzw. eine hochqualifizierte Karriere in der Privatwirtschaft anstrebt. Hinzu kommen Überlegungen zur Vereinbarkeit von wissenschaftlicher Arbeit, Partnerschaft und dem Aufziehen von Kindern.

Perspektive der Hochschulen

Der Arbeitsgruppe ging es vor allem um die institutionellen Grenzen und Möglichkeiten der Unterstützung solcher "Verflechtungsleistungen", das  heißt  um die Sicht der Hochschulen. Die Befragung untersuchte daher, ob und inwiefern diese Problematik auch bei Berufungsverfahren für eine Professur seitens der Bewerber und Bewerberinnen angesprochen wurde und welche Möglichkeiten den Hochschulen zur Verfügung stehen, darauf zu reagieren.

Von 322 angeschriebenen Hochschulen (Fachhochschulen/Universitäten) nahmen 183 Leitungen an der Befragung teil. Von 322 angeschriebenen Gleichstellungs-/Frauenbeauftragten dieser Einrichtungen beantworteten 153 den Fragebogen. Über 60 Prozent der Befragten berichten, dass in Berufungsverfahren die Berufsperspektive des Partners bzw. der Partnerin thematisiert wird. 50 Prozent der deutschen Hochschulen erhielten eine Rufabsage wegen der fehlenden Berufsperspektive des Partners/der Partnerin.

Ende und Fortsetzung

Auf dem 32. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie vom 4. bis 8.10.2004 in München führte Heike Solga gemeinsam mit Christine Wimbauer, Yale University/New Haven, eine Ad-hoc-Gruppe zum Thema "Wenn zwei das Gleiche tun... Ideal und Realität sozialer (Un-)Gleichheit in Dual Career Couples" durch. Die Ad-hoc-Gruppe und der gleichnamige Sammelband, mit dem die erarbeiteten Befunde einem Fachpublikum vorgestellt wurden, stellen die Abschlussveranstaltung des "Dual Careers"-Projekts dar, mit dem es der AG Wissenschaftspolitik gelungen ist, eine Diskussion um dieses wissenschaftspolitisch so wichtige Thema innerhalb der deutschen Soziologie zu initiieren.

Ab November 2007 beschäftigte sich ein Projekt unter der Leitung von JA-Alumna Heike Solga und Alessandra Rusconi am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) mit den "Realisierungsbedingungen von Doppelkarrieren in Akademikerpartnerschaften".

Sammelband

Die Publikation "Wenn zwei das Gleiche tun... Ideal und Realität sozialer (Un-)Gleichheit in Dual Career Couples", herausgegeben von Heike Solga und  Christine Wimbauer, erschien 2005 im Verlag Barbara Budrich, Opladen.

Das Buch versammelt Beiträge zum Thema (Un-) Gleichheitsproduktion und -reproduktion in Dual Career Couples. Mit der steigenden Bildungsbeteiligung von Frauen erhöht sich auch der Anteil an Paarbeziehungen, in denen beide Partner über ein Potenzial für professionelle Karrieren verfügen; dieses Potenzial wird jedoch nur sehr begrenzt in Doppelkarrieren umgesetzt. Hierbei spielen Machtstrukturen in den Paarbeziehungen eine wesentliche Rolle, die von individuellen Eigenschaften (wie Geschlecht, Alter, Profession), paarspezifischen Merkmalen und Aushandlungen sowie von gesellschaftlichen und institutionellen Opportunitätsstrukturen beeinflusst werden.

"Wenn zwei das Gleiche tun..." (Verlag Barbara Budrich)

 
 
 
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