DIE WIRTSCHAFTSKRISE ALS CHANCE FÜR EUROPAS ZUKUNFT?

Der Beitrag der Jungen Akademie zum Salon Sophie Charlotte mit dem Thema "Europa − ein Zukunftsort" am 18. Januar 2014 widmete sich den Chancen der europäischen Wirtschaftskrise. 

Den Rahmen der Veranstaltung bildete eine interaktive Plakatausstellung. Über Zitate und provokative Aussagen zur aktuellen politischen Situation in Europa wurden die BesucherInnen aufgefordert, ihre Meinung zu konkreten Fragen des Krisenmanagements, der Migrationsbewegungen und der politischen und wirtschaftlichen Differenzen zwischen europäischen Nachbarn, nicht zuletzt aber auch zu den allgemeinen Zukunftsaussichten der europäischen Integration einzubringen. Die anschließende Podiumsdiskussion griff diese Themen auf und behandelte sie in transdisziplinärer Perspektive. Gastgeber Wolfram Pernice (Karlsruher Institut für Technologie) diskutierte mit dem Historiker Klaus Oschema (Universität Heidelberg), der Politikwissenschaftlerin Isabel Schäfer (Mittelmeer Institut Berlin), der griechischen Anwältin Smaro Tassi (Berlin) und dem Juristen Mattias Wendel (Walter Hallstein-Institut für Europäisches Verfassungsrecht, Berlin).

Nachdem die akute Finanzkrise, hierin waren sich die Diskutierenden einig, vorerst behoben zu sein scheint und die Märkte zumindest vorübergehend beruhigt sind, werden nun die gesellschaftlichen Folgen der Krise innerhalb Europas sichtbar, insbesondere wachsende Arbeitslosigkeit und soziale Ungleichheiten. Darüber hinaus ist die Legitimitätskrise der EU, die durch ihr Krisenmanagement deutlich an Vertrauen verloren hat, eklatant – was sich unter anderem im Erstarken rechter Parteien sowie in einer prognostizierten geringen Wahlbeteiligung bei den anstehenden Wahlen zum EU-Parlament manifestiert.

Allerdings, so der Tenor, stellt die Krise trotz aller Konflikte auch eine Chance für Europa dar, da seit langem vorhandene strukturelle Defizite nun sichtbar werden und sich der Reformdruck erhöht. Darüber hinaus hat sich ein europaweiter Diskurs über soziale Ungleichheiten sowie über verfassungsrechtliche Fragen entwickelt. Die Krise verdeutlicht zudem die Tatsache, dass Interessen, Konflikte und Entwicklungsmöglichkeiten nationale Grenzen bei Weitem überschreiten. Europa − ein Zukunftsort? Insbesondere für die junge mobile Generation ist das inzwischen eine Realität. Und so blieb auf dem Podium zu guter Letzt die Hoffnung, dass grundlegende Reformen demokratisch vorangetrieben werden.

Bericht: Sarah Jurkiewicz

Informationen über die gesamte Veranstaltung finden Sie hier

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