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Wissenschaft – Engagement – Autorität

Über das Projekt

Von Hochschulen und Wissenschaftler*innen wird im Sinne der sogenannten third mission zunehmend erwartet, Forschungsaktivitäten stärker an die Gesellschaft rückzubinden; sei es in Form von gut verständlicher Wissenschaftskommunikation, Beratung von Politik und Wirtschaft oder aber anderen Formen gesellschaftlichen Engagements. Dabei ist das Verhältnis von wissenschaftlicher Erkenntnisgenerierung und gesellschaftlichem sowie politischem Engagement allerdings durchaus komplex.

 

Zwar sind wissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse nie einfach objektiv oder neutral (schon die unumgängliche Entscheidung, wozu und wie geforscht wird, ist eine kontingente Setzung), allerdings folgt aus Evidenz keinesfalls monokausal eine Handlungsnotwendigkeit, für die es sich dann ‚nur noch‘ zu engagieren gilt. Interessant sind vor diesem Hintergrund nun nicht nur die Fragen, wie Hochschulen und Wissenschaftler*innen sich engagieren und in welchem Verhältnis dies zu (ihren) Forschungsergebnissen steht, sondern daran anknüpfend auch, wie von Seiten der Gesellschaft auf dieses Engagement reagiert wird bzw. inwiefern dem engagierten Einsatz Autorität zukommt.

 

Für dieses Zusammenspiel interessiert sich das Projekt “Wissenschaft – Engagement – Autorität”, das aus der AG Engagierte Wissenschaft entstanden ist. Es widmet sich diesem übergeordneten Erkenntnisinteresse explorativ, indem es das öffentliche Engagement von Wissenschaftler*innen auf Twitter ebenso wie die Reaktionen darauf in den Blick nimmt.

Ausgangspunkt des Projekts ist die praxis- und performativitätstheoretische Annahme, dass Wissenschaftler*innen durch ihre (engagierte) Kommunikation als Wissenschaftler*innen auf Twitter Autorität beanspruchen, sich aber in den öffentlichen Reaktionen auf diesen Anspruch erst zeigt, ob ihr Engagement als legitim erachtet wird und sie entsprechend autorisiert werden. Dem Projekt liegt entsprechend ein Verständnis von Autorität als einem als legitim anerkannten Führungsverhältnis (Schäfer & Thompson 2009) zugrunde. Autorisierungen zum Engagement von Wissenschaftler*innen sind der empirischen Analyse dann beispielsweise zugänglich, wenn betrachtet wird,

  • zu welcher Art Engagement sich Wissenschaftler*innen durch ihre Tweets selbst autorisieren bzw. zu autorisieren versuchen,
  • inwiefern sie sich hierbei - u.a. mittels ihrer Profilbeschreibungen - der Autorität einer Universität o.ä. bedienen und
  • inwiefern ihr öffentliches Engagement dadurch autorisiert wird, dass es durch eine Vielzahl an Follower*innen mittels Retweet und Kommentierungen als legitimes Engagement ratifiziert wird.

Eine Analyse der performativ hergestellten Autorisierung engagierter Wissenschaft durch (die Reaktionen von) Follower*innen lässt sich darüber hinaus auch über die Anzahl der Follower*innen und ihre Zunahme nach bestimmten Tweets in den Blick nehmen: Welchen Einfluss haben (engagierte) Tweets hier? Was sagt dies über jene Autorisierung zum Engagement

Ziel des Projekts ist eine mit interaktiven Grafiken aufbereitete Publikation in Form einer Website.

 

Foto: Mika Baumeister auf Unsplash

Sprecher/In