Kunst als Forschung

Die Arbeitsgruppe

Seit mehreren Jahren wird innerhalb der Kunsttheorie darüber debattiert, ob künstlerische Arbeitsmethoden oder der durch die Künste erzeugte Erkenntnisgewinn und die zugrunde liegenden Arbeitsprozesse sich nicht auch als "Forschung" bezeichnen lassen. Angesichts von bestehenden Angeboten zur Promotion in der Kunst (Dr. phil in art, Doctor of Arts, Doctor in Practice) muss davon ausgegangen werden, dass zumindest an den entsprechenden Kunsthochschulen und -universitäten künstlerische Forschung praktiziert wird.

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Vor diesem Hintergrund stellt (sich) die AG Kunst als Forschung einerseits die Frage, worin Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen künstlerischen und wissenschaftlichen Praktiken bestehen. Andererseits untersucht die Arbeitsgruppe die noch junge Geschichte der Institutionalisierung von künstlerischer Forschung in Deutschland. Das Thema der Arbeitsgruppe berührt insofern grundsätzliche Fragen sowohl des Kunst- als auch des Wissenschaftsbegriffs, die im Dialog von Künstlern und Wissenschaftlern unterschiedlicher Disziplinen erörtert werden.

Die Arbeitsgruppe thematisiert das gegenwärtige Verhältnis von Kunst und Wissenschaft: Wer entscheidet eigentlich, welche Praktiken des Experimentierens, des Entdeckens und der Kritik als "künstlerisch" und welche als "wissenschaftlich" gelten? Welche Regeln des Argumentierens, Beweisens und Bezweifelns gelten auf den unterschiedlichen Feldern von Kunst und Wissenschaft?

Zum anderen fragt sie nach Zukunftsperspektiven im Verhältnis von Kunst und Wissenschaft: Können beide Seiten von den Forschungspraktiken der jeweils anderen Seite profitieren und sich gegenseitig inspirieren? Was könnten geeignete Strukturen und Sprachen eines solchen Austauschs sein?

Schließlich befasst sich die Arbeitsgruppe mit dem umstrittenen Sonderstatus künstlerischer Forschung innerhalb der akademischen Institutionen. Welche Formen der künstlerischen Forschung werden in Deutschland praktiziert? Welche methodischen oder inhaltlichen Schwerpunkte gibt es? Anhand welcher Kriterien wird die künstlerische Forschung bewertet? Welche Präsentationsformate (bspw. „piece & paper“) sind üblich? Wo und mit wem findet die Forschung statt?

Kunst und Wissenschaft

Die AG Kunst als Forschung und die sch wa nk hal le führten 2017 das künstlerisch-wissenschaftliche Projekt "Sorgenfrei 1" durch. Dazu wurden Künstler*innen und Wissenschaftler*innen aufgerufen, sich für die Zwischennutzung eines leerstehenden Wohnhauses auf dem Gelände des Klinikums Bremen Mitte zu bewerben. 

Der Name des Projektes rührt von der Lage des Projekt-Ortes: Mitten im Hulsberg-Viertel steht das Haus mit der Anschrift Sorgenfrei 1, das bis vor wenigen Jahren von Angestellten des Klinikums Bremen Mitte bewohnt wurde. Sorgenfrei ist eine kleine, ruhige Straße mit nahezu dörflichem Charakter. Ihr Name zeugt davon, dass Familien hier günstig Eigentumshäuser erwerben und somit sorgenfrei leben konnte. In der Nachbarschaft finden sich je nach Blickrichtung die Straße Am Schwarzen Meer beziehungsweise eine Grünfläche auf dem Gelände des Klinikums. Gleich nebenan die Pathologie, eine Recycling Station und ein Übergangswohnheim. Also ein Umfeld, in dem von Sorgenfreiheit kaum die Rede sein kann.

Das Haus Sorgenfrei 1 umfasst rund 13 Zimmer auf vier Etagen und trägt noch die Spuren der letzten Bewohner*innen, wie beispielsweise eine umfassende Bierdeckelsammlung. Hier fanden zwischen März und Juni 2017 zahlreiche Interventionen von Künstler*innen und Wissenschaftler*innen statt. Gefragt wurde nicht nur nach dem Wechselverhältnis von Mensch und Raum oder Vergangenheit und Zukunft angesichts eines Stadtviertels im Umbruch, sondern auch nach den mit dem Gebäude und Gelände verbundenen Geschichten, Erinnerungen, Bedeutungen und Utopien.

Informationen zu den einzelnen Projekten (pdf)



Publikation

Vorgestellte Institutionen/Performing Institutions

Zweisprachig dt./engl.
ca. 240 Seiten, ca. 72 S. Farbbildteil
Klappenbroschur
ca. 19€
ISBN 978-3-89581-347-4
Erscheint Januar 2015
Alexander Verlag Berlin

Was macht eine Institution aus? Künstler/innen, Kurator/inn/en und Wissenschaftler/innen diskutieren welche Aufgaben Institutionen erfüllen und welcher Kritik sie zu unterziehen wären. Und: wie Institutionen anders gedacht werden könnten. Sie beziehen sich auf Beispiele der Architektur, der Bildenden Kunst und der Rechtswissenschaft und fragen nach einer Tradition der Institutionskritik in den Darstellenden Künsten. Vorgestellte Institutionen versammelt Auszüge dieser Gespräche und kombiniert sie mit Szenenbeschreibungen und Archivmaterialien des herausgebenden Künstler-Duos Herbordt/Mohren. Es entsteht ein vielschichtiges Künstlerbuch über Voraussetzungen, Ziele und notwendige Aktualisierungen von Institutionen.

Vorgestellte Institutionen ist aus der Arbeitsgruppe 'Kunst als Forschung' der Jungen Akademie an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldinahervorgegangen. Grundlage der Publikation bildete die Gesprächsreihe 'Performing Institutions' derselben AG, die jeweils als Teilprojekt im Rahmen der Inszenierungen 'Die Institution' und 'Die Aufführung' von Herbordt/Mohren stattfand. Mit freundlicher Unterstützung des Exzellenzclusters 'Kulturelle Grundlagen von Integration' der Universität Konstanz.

Mit Beiträgen von Annemarie Matzke, Bernhard Herbordt, Melanie Mohren, Emanuel V. Towfigh, Florian Malzacher, Hans-Werner Kroesinger, Iris Dressler, Jan-Philipp Possmann, Jean-Baptiste Joly, Jens Badura, Katja Diefenbach, Knut Ebeling, Marcell Mars, Martin Nachbar, Martina Grohmann, Matthias Warstat, Maximilian Haas, Michl Schmidt, Natascha Siouzouli, Pirkko Husemann, Sandra Umathum, Stefan Apostolou-Hölscher, Steve Valk, Suresh Kumar, Ursula Achternkamp, Vesna Vucovic und einem Vorwort von Esther Boldt.

Grafische Gestaltung: Demian Bern

Veranstaltungsdokumentation

Salons und Symposien

Die Arbeitsgruppe hat seit 2009 eine Reihe von Tagungen veranstaltet.

Institutionen auf Probe - Testing Institutions

Die Tagung "Institutionen auf Probe - Testing Institutions" fand vom 14. bis 16. November 2014 in der Stiftung Universität Hildesheim, Domäne Marienburg statt.

Glossary

Projekt „Weltverbesserungs-maschine“

Die Ausstellung bietet eine kritische Rekonstruktion der einst vom preußischen Staat geplanten, aber niemals vollendeten Weltverbesserungsmaschine, die durch die Zusammenführung bestimmter Kunstwerke und Artefakte eine mächtige Kraft freisetzen sollte.

Projekt „Klimakapseln“

Wie wollen wir in Zukunft leben? Wie sieht unser Alltag aus, wenn der Klimawandel spürbare Wirklichkeit wird? Um solche Fragen ging es 2010 in der von AG-Mitglied Friedrich von Borries kuratierten Ausstellung „Klimakapseln - Überlebensbedingungen in der Katastrophe“.

 

Mitglieder

  • Pirkko Husemann

    Ansprechpartnerin

    Pirkko Husemann
    Theaterwissenschaft / Tanzdramaturgie
    Schwankhalle Bremen
    Pirkko Husemann zur Person
  • Miriam Akkermann

    Miriam Akkermann
    Musikwissenschaften/ Klangkunst
    Universität Bayreuth
    Miriam Akkermann zur Person
  • Viktoria Tkaczyk

    Viktoria Tkaczyk
    Kulturwissenschaft / Wissenschaftsgeschichte
    Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte, Berlin
    Viktoria Tkaczyk zur Person
  • Kai Wiegandt

    Kai Wiegandt
    Anglistik
    Freie Universität Berlin
    Kai Wiegandt zur Person
  • Moritz Renner

    Moritz Renner
    Rechtswissenschaft
    Universität Bremen
    Moritz Renner zur Person
  • Evelyn Runge

    Evelyn Runge
    Politikwissenschaft / Medienkulturwiss. / Journalistik / Fotografie
    The Hebrew University of Jerusalem (Israel)
    Evelyn Runge zur Person
  • Gordon Kampe

    Gordon Kampe
    Musikwissenschaft / Komposition
    Hochschule für Musik und Theater Hamburg
    Gordon Kampe zur Person
  • Silja Klepp

    Silja Klepp
    Ethnologie
    Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
    Silja Klepp zur Person
  • Bernhard Herbordt Melanie Mohren

    Bernhard Herbordt Melanie Mohren
    Künstler
    Bernhard Herbordt Melanie Mohren zur Person
  • Emanuel V. Towfigh

    Emanuel V. Towfigh
    Rechtswissenschaft
    EBS Universität für Wirtschaft und Recht
    Emanuel V. Towfigh zur Person
  • Christian Stein

    Christian Stein
    Literaturwissenschaft, Linguistik, Informatik
    Humboldt-Universität zu Berlin
    Christian Stein zur Person
  • Katharina Heyden

    Katharina Heyden
    Evangelische Theologie
    Universität Bern (Schweiz)
    Katharina Heyden zur Person
  • Simon Lentner

    Simon Lentner
    Mathematik / Theoretische Physik
    Universität Hamburg
    Simon Lentner zur Person
  • Nausikaä El-Mecky

    Nausikaä El-Mecky
    Kunstgeschichte
    Heidelberg School of Education
    Nausikaä El-Mecky zur Person
 
 
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