Repräsentation

Enzyklopädie der Ideen der Zukunft

Vorlesungsreihe

Im Rahmen dieser Vorlesungsreihe lud die Junge Akademie herausragende Vertreter aus Wissenschaft, Politik, Literatur oder Kunst ein, Ideen, die die Zukunft betreffen, zu imaginieren, der Öffentlichkeit zu präsentieren und mit ihr zu diskutieren. In den Jahren 2002 bis 2005 fanden je zwei Vorträge im Frühjahr und Herbst statt, die von wechselnden Mitgliedern der Jungen Akademie organisiert und jeweils an verschiedenen Orten in Deutschland abgehalten wurden.

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Die Vorträge widmeten sich folgenden Fragen:

  • Außerirdisches: Welches sind die Voraussetzungen für extraterrestrisches Leben und wie lässt sich solches entdecken?
  • Bionik: Was können wir von der Natur lernen?
  • Denken: Wie lässt sich das Denken inmitten verwirklichter Technologien weiter als Kultur denken?
  • Emotionen: Gibt es kulturspezifische Besonderheiten des emotionalen Verhaltens?
  • Gott: Warum ist eine philosophische Rede von Gott unverzichtbar?
  • Hirntod: Wann ist ein Mensch tot?
  • Schönheit: Was ist schön – nach dem Ende des klassisch Schönen?
  • Solidarität: Kann es eine globalisierte und universalisierte Solidarität geben?
  • Tier: Wie werden die Tiere der Zukunft aussehen?
  • Wasser: Kann man Wolken hören? Künstlerisch-musikalische Darstellung von naturwissenschaftlichen Daten und Phänomene
  • Wissen: Welchen Ort wird das Wissen in modernen Gesellschaften haben?

Konzept der Vorlesungsreihe

Außerirdisches: Welches sind die Voraussetzungen für extraterrestrisches Leben und wie lässt sich solches entdecken?

Harald Lesch, Professor für theoretische Astrophysik an der Universität München.

Einführung: Martin Korte Zoologisches Institut der Ludwig-Maximillians-Universität München, am 13. Mai 2002.

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„Sind wir allein im Universum?“ Dieser vor allem in Bereich von Science fiction oft gestellten Frage ging Harald Lesch in seinem Vortrag unter wissenschaftlichen Aspekten nach. In seinen Annäherungen an eine Antwort stellte er die verschiedenen Bedingungen und Voraussetzungen heraus, die erfüllt sein müssen, damit einerseits extraterrestrisches Leben möglich ist und andererseits mit diesem Leben auch in Kommunikation getreten werden kann. Die Existenz von strahlenden Sternen wie der Sonne, die eine bestimmte Zeit gewährleistet sein muss, damit belebte Planeten allererst entstehen können, die Entfernung der Planeten zu einem strahlenden Stern, die Größe eines Planeten sowie die Frage, ob er einen Trabanten hat – dies sind einige der Kriterien dafür, dass überhaupt Leben entstehen kann. Außerdem müsste dieses Leben auch kommunikationsfähig und vor allem kommunikationsbereit sein. Unsere Informationen versenden wir aber nur über elektromagetische Strahlung. Ist es da überhaupt möglich, andere Informationen zu empfangen? Und gibt es eine „neue Erde“, auf der die gleichen Bedingungen herrschen, wie sie bei uns vorkommen?

Bionik: Was können wir von der Natur lernen?

Antonia B. Kesel, Leiterin des Internationalen Studiengangs Bionik (ISB) an der Hochschule Bremen, 1. Vorsitzende der „Gesellschaft für Technische Biologie und Bionik (GTBB)“ und Vorstandsmitglied der Forschungsgemeinschaft „Bionik-Kompetenznetz e.V. (BIOKON).

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Einführung: Jörg Müssig

Universum® Science Center Bremen am 15.03.2005

Biologische Systeme und Funktionsprinzipien sind das Ergebnis einer Milliarden Jahre langen Entwicklungsarbeit. Die Bionik will diese umweltgerechten Mechanismen und Strukturen entschlüsseln und in innovative Technikkonzepte überführen. Zwar ist man noch weit davon entfernt, alle in einem Organismus realisierten Optimierungskriterien erfassen zu können, dennoch beinhalten biologische Materialien, Strukturen und Prozesse ein enormes Potenzial. Eine der großen Herausforderungen im angebrochenen Jahrhundert ist die Analyse der hochkomplexen biologischen Konstruktionen und die Bewertung der Befunde hinsichtlich potentieller Applikationen. Ziel ist die Entwicklung neuer Konzepte und Produkte, die weit über alles hinausgehen, was heute technologisch machbar erscheint.

Denken: Wie lässt sich das Denken inmitten verwirklichter Technologien weiter als Kultur denken?

Bernhard J. Dotzler, Forschungsdirektor für Literatur- und Wissenschaftsgeschichte am Zentrum für Literaturforschung Berlin
und Detlef B. Linke, Leiter der Abteilung für Neurophysiologie und Neurochirurgische Rehabilitation der Universitätsklinik Bonn.

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Einführung: Doris Kolesch Arithmeum in Bonn am 15. Mai 2003

Den ungewöhnlichen Weg über das NIM-Spiel lies Bernhard Dotzler seine Ausführungen zum Thema „Denken“ nehmen. Besonders an der Aufnahme dieses Spiels, das für Mathematiker ein Paradebeispiel eines berechenbaren, deterministischen Spiels darstellt, in den Film L'année dernière à Marienbad von Alain Resnais illustrierte Dotzler die Struktursystematik des Denkens. Denn sowohl für das Spiel wie auch für tonnenschwere Rechenmaschinen, die das NIM-Spiel anwendeten, sind nicht der Inhalt, sondern die Struktur von Bedeutung. Mit dem Aufkommen und der Karriere solcher Denkmaschinen wie „Nimrod“ in der ersten Hälfte letzten Jahrhunderts schien die fundamentale Struktur des Denkens freigelegt. Auch wenn damit Alan Turings Frage, ob Maschinen denken können, nicht positiv zu beantworten ist, sondern Denk-Struktur und Denk-Maschine nur dasselbe besagen, nämlich dass Denken eine Maschine und die Maschine verkörpertes Denken ist, so ist damit doch darauf verwiesen, dass Technologien sich als etwas begreifen lassen, das Denken enthält. Welche Auswirkungen wird das für das ‚Denken an sich’ als Kultur haben?

Emotionen: Gibt es kulturspezifische Besonderheiten des emotionalen Verhaltens?

Birgitt Röttger-Rössler, Privatdozentin an der Universität Göttingen, leitet zusammen mit Hans Markowitsch die internationale Forschergruppe „Emotionen als bio-kulturelle Prozesse“ am Zentrum für Interdisziplinäre Forschung der Universität Bielefeld.

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Einführung: Eva-Maria Engelen

Meridian-Saal, Collegium Helveticum, Semper-Sternwarte, ETH Zürich, am 2. Juni 2005

Emotionen werden in den verschiedenen Disziplinen zunehmend als hochkomplexe, dynamische Systeme gesehen, in denen kulturelle, soziale, psychische und biologische Komponenten interagieren. Die Aufgabe der Ethnologie innerhalb der interdiziplinären Erforschung menschlicher Emotionen liegt in der Aufdeckung kulturspezifischer Besonderheiten des emotionalen Verhaltens. Der Vortrag zeigt, auf welche unterschiedliche Weise Kulturen das im menschlichen Organismus angelegte „Affektprogramm“ überformen und zu vielschichtigen sozialen Informations- und Kommunikationssystemen ausbauen. Zentral ist dabei die Frage, inwieweit die diversen kulturellen Kodes nicht nur die Ausdrucks- und Regulationsformen von Gefühlen, sondern auch das emotionale Erleben selbst modellieren.

Gott: Warum ist eine philosophische Rede von Gott unverzichtbar?

Volker Gerhardt, Professor für Philosophie an der Humboldt-Universität zu Berlin, Vizepräsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und Mitglied des Nationalen Ethikrats.

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Einführung: Eva-Maria Engelen

Philosophisches Institut der Universität Konstanz am 5. November 2003.

Mit einem Umweg über die Anthropologie machte Volker Gerhardt in seinem Vortrag deutlich, „warum die Philosophie auf den Grenzbegriff Gottes nicht verzichten kann“. Der Mensch als das Lebenwesen, das allein im Bewusstsein eine Welt hat, sucht nach dem Grund (von Dingen und von Welt) und fragt nach ihrem Sinn. Die Verwechslung von Grund und Ursache ist ein szientistisches Missverständnis, das das Ganze dessen, worauf sich die Frage des Menschen richtet, ausblendet. Die auf Gründe angewiesene menschliche Tätigkeit findet ihre Entsprechung in Gott und manifestiert sich in ihrer Ausgerichtetheit auf das Ganze.

Hirntod: Wann ist ein Mensch tot?

Claudia Wiesemann, Direktorin der Abteilung Ethik und Geschichte der Medizin an der Universität Göttingen und Präsidentin der Akademie für Ethik in der Medizin.

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Einführung: Nikola Biller-Andorno

Paulinerkirche in Göttingen am 10.02.2005.

Im Verlauf des 20. Jahrhunderts waren Medizin, Gesellschaft und Individuum gleichermaßen daran beteiligt, den Tod als leibliche Erfahrung verschwinden zu lassen. Heute stirbt man in den westlichen Industrienationen an etwas, das die Medizin definiert hat. Man stirbt mit oder gegen die Medizin, aber nicht ohne sie, entweder indem man ihren Praktiken zur Abwehr des Todes gehorcht oder indem man ihre Bewältigungsstrategien ablehnt, zum Sterben nach Hause geht, der Leitung des Altersheims die Verlegung ins Krankenhaus untersagt. Die Medizin ist sowohl im Sterben wie auch im Leben, welches das Sterben hinausschieben soll, präsent. Am Beispiel der Geschichte des Hirntods lässt sich besonders eindrücklich aufzeigen, welche Rolle die Medizin im Verlauf des 20. Jahrhunderts bei der individuellen sowie kollektiven Bewältigung des Todes übernommen hat.

Schönheit: Was ist schön – nach dem Ende des klassisch Schönen?

Ingeborg Harms, promovierte Literaturwissenschaftlerin, lehrte an der Yale University, der Boston University und an der Universtiät Bonn. Sie ist feste freie Mitarbeiterin bei der FAZ und bei der Vogue.

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Fotopräsentation von Sven H. Grüß, Künstler. Er lebt und arbeitet in Berlin. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Fotografie und Holzskulpturen gefasst im Kreidegrund mit Polymentvergoldungen.

Einführung: Rainer Maria Kiesow

Diskothek U 60311 in Frankfurt am Main am 5. Juni 2003.

Die Konkurrenz, die das klassisch Schöne in der Mode in den letzten beiden Jahrhunderten bekommen hat, konturierte Ingeborg Harms in ihrem Vortrag. Ging es der klassischen, der olympischen Schönheit um Vollkommenheit, sind seit dem 20. Jahrhundert groteske, fetischistische und sentimentale Aspekte in Mode, Warenästhetik und Popkultur aufgetaucht. Damit verschwinde das einschüchternde und dominierende Moment des klassisch Schönen. Was sich zelebriert, ist Gebrochenheit und Makel, die beide Emotionen wecken aber auch um ihre Vergänglichkeit wissen.

Solidarität: Kann es eine globalisierte und universalisierte Solidarität geben?

Herfried Münkler ist Professor für Theorie und Ideengeschichte der Politik an der Humboldt-Universität zu Berlin und Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften

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Einführung: Jens Beckert

Harnack-Haus in Berlin am 16. Januar 2004.

Nach den Gründen für die stiefmütterliche Behandlung des Themas Solidarität in Gesellschaftstheorie und Moralphilosophie fragte der Vortrag von Herfried Münkler. Die Moralphilosophie, für die Pflichten nur aus freiwilligen Vereinbarungen resultieren, muss Solidaritätserwartungen ausschließen. Da Solidarität nicht zu verrechtlichen ist, kann die Gesellschaftstheorie Solidarität stets nur als Voraussetzung thematisieren. Wenn Solidarität vorzugsweise in partikularen Gesellschaften zum Tragen kommt und sie umso stärker ist, je schärfer Inklusions- bzw. Exlusionsmechanismen ausgeprägt sind, wenn aber gleichzeitig Inklusionsfaktoren wie Religion, Schichten und Klassen, Staat und Nation immer mehr an Bedeutung verlieren, wo lässt sich dann Solidarität verorten?

Der Vortrag ist erschienen in: J. Beckert, J. Eckert u.a. (Hrsg.): Transnationale Solidarität. Chancen und Grenzen, Frankfurt/New York: Campus 2004, S. 15-28.

Tier: Wie werden die Tiere der Zukunft aussehen?

Thomas Macho, Professor für Kulturgeschichte am Institut für Kunst- und Kulturwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin

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Einführung: Henning Schmidgen

Naturhistorisches Museum in Wien am 6. November 2002.
Gewöhnlich gilt das Tier als Widerpart des Menschen; der Mensch hat, was dem Tier fehlt: Vernunft, Humor, Kunst, aber auch eine Moströsität, die die des Tieres bei weitem übersteigt. Gegen dieses Missverständnis der Anthropologie, wonach Menschen einen existenziellen Vorrang vor „dem Tier“ hätten, betonte Thomas Macho die erst späte Durchsetzung dieser Verhältnisbestimmung, die die Agrargesellschaften nicht kannten. Seit dem Ausschluss Tiere auch aus allen relevanten gesellschaftlichen Bereichen der letzten 200 Jahre, werden sie entweder von Arbeitestieren zum Massenschlachtvieh degradiert oder zu Pets erhöht. Und im Film werden die verschiedenen Arten wahlweise als Bestien oder als Schoßtiere codiert und recodiert. Zu welchen Projektionsträgern werden die Tiere in der Zukunft werden?

Die Veranstaltung wurde unterstützt von der „International Encyclopedia of the Social and Behavioral Sciences“ (Elsevier).

Wasser: Kann man Wolken hören? Künstlerisch-musikalische Darstellung von naturwissenschaftlichen Daten und Phänomene

Dieter Trüstedt, Physiker und freischaffender Künstler, Friedhelm Klein, Künstler, Jutta Köhler, Theoretische Chemikerin sowie Jörg Schaeffer, Biochemiker und Komponist

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Einführung: Katharina Landfester

Stadthaus Ulm am 21. Juli 2005

Üblicherweise wählen Naturwissenschaftler die grafische Form, um ihre Daten darstellen zu können. Die Darstellung von Beobachtungen und Messergebnissen in einer unüblichen Form, nämlich der akustischen, kann allerdings den Sinn sowohl für das Phänomen als auch die Daten schärfen. Da der Mensch akustische Signale in hoher Präzision analysiert, können große Datenmengen zum Klingen gebracht werden, um schnell Unregelmäßigkeiten zu identifizieren. Dies soll am Beispiel des Wassers deutlich gemacht werden und zwar in der Kaffee-Maschine, bei der Molekulardynamik und bei der akustischen Darstellung von Zirrus-Wolken.

Weitere Informationen

Zur AG Wasser

Vortrag „Wolkenflieger“ von Thomas Koop

Informationen zur Ausstellung und Presseresonanz

Wissen: Welchen Ort wird das Wissen in modernen Gesellschaften haben?

Johann Götschl ist Professor für Philosophie am Ludwig Boltzmann Institut für Wissenschaftsforschung der Universität Graz

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Einführung: Rainer Maria Kiesow

Leibnizsaal der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften in Berlin am 23. April 2002

In seinem Vortrag führte Johann Götschel aus, wie sehr Wissen seine existenzielle und kulturelle Bedeutung zunehmend verschränkt. In der Untrennbarkeit von Herkunft und Zukunft des Wissens wird erkennbar, dass Wissen zum Zentrum der evolutionären Dynamik moderner Gesellschaften wird.

 
 
 
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