Klang(welten)

Tagung 2013: "Die Natur-Kultur-Grenze in Kunst und Wissenschaft. Historische Entwicklung - interdisziplinäre Differenz - aktueller Foschungsstand"

Die Tagung fand vom 9. bis 13. Oktober 2013 in Saas-Fee (Schweiz) statt.

mehr

Es gibt Problemkonstellationen, die für weite Teile des wissenschaftlichen Bereichs relevant sind, ihn zugleich aber in vielfacher Weise spalten. Dies gilt in besonderem Maße für die Natur-Kultur-Grenze, die »kein harmloser Trennstrich ist, sondern die Front in einem epistemischen Kampfgebiet« (Albrecht Koschorke). Diese ›Front‹ syn- wie diachron zu kartieren und auf ihre  erkenntnistheoretische Tragfähigkeit zu befragen, ist dringendes Forschungsdesiderat. Tatsächlich fehlt bis dato ein systematischer Versuch interdisziplinärer Synopse, der die kritische Reflexion des in den Einzeldisziplinen Geleisteten bzw. noch zu Leistenden einschließt. Dies soll auf unserer hochkarätig besetzten Tagung in Saas-Fee (CH) erstmals versucht werden - mit einem fächerübergreifendem  Vortragsspektrum, das die diversen Kontrahenten und Modelle in produktiven Dialog treten lässt. In diesem Zusammenhang ist nicht zuletzt auch die Frage nach dem  strategischen Impetus der Natur-Kultur-Grenze zu diskutieren, d.h. ihrer Bedeutung im Kampf der Einzeldisziplinen um Auslegungshoheit bzw. Schlüsselkompetenz in zentralen Wissensbereichen des 21. Jahrhunderts. Während die Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften mehrheitlich die These vertreten, die globale Gesellschaft werde kulturell bestimmt und der Mensch medial sogar »neu formatiert« (Dirk Baecker), suchen Naturwissenschaftler ihre Theoriemodelle sukzessive auf den  soziokulturellen Bereich auszuweiten. Kehrseite des Streits um das Deutungsmonopol ist die Kompensation fachspezifischer Wissenslimite. Während das Einflusspotenzial des Subjekts kulturhistorisch an Virulenz verliert, vergrößert sich gleichzeitig der Raum, der (zumindest potenziell) menschlicher Verfügungsgewalt unterliegt. In der Tat begegnet kaum ein ehedem naturbasierter Bereich, der heute nicht kulturellen Interventionen zugänglich scheint (Talent/Begabung, Geschlechterdifferenz, Hörerwartung etc.), und zwar meist auf Grundlage der Vorstellung, die Realität sei dem Menschen nur unter den Bedingungen diskursiver Repräsentation gegeben. Andererseits erobert die Naturwissenschaft in dem Maße diskursives Terrain wie kulturelle Welterschließungsmodelle dem Kontingenzvorwurf verfallen (u.a. durch das Fehlen ›klarer‹ Falsifikationsmechanismen). Die von beiden Parteien proklamierten Dystopien (»Allmacht der Kultur« vs. »biologistischer Reduktionismus«) zeigen zudem, welche Macht und Bedeutung epistemologischen Evidenzkriterien zufällt.

 

Tagungsprogramm (pdf-Format, Stand: September 2013)

Symposium 2012: "Klang – Ton – Musik. Theorien und Modelle (national-)kultureller Identitätsstiftung"

Das Symposium fand vom 10. bis 14. Oktober 2012 in Kooperation mit der Université Paris-Sorbonne statt.

mehr

Auch diesmal konnten wir international renommierte Künstler und Wissenschaftler als Vortragende respektive Gesprächspartner gewinnen.  Die wissenschaftlichen Beiträge der Tagung sollen – zweifach extern-anonymisiert begutachtet – 2015 publiziert werden (hrsg. von Wolf Gerhard Schmidt und Sibylle Baumbach).Tagungsprogramm (Stand: Juli 2012)Arbeitsexposé (Stand: Juli 2012)

Tagungsbericht

Tagung 2011: "Körperbilder in Kunst und Wissenschaft"

Vom 7. bis 11. September 2011 fand in Pontresina (Schweiz) unsere interdisziplinär ausgerichtete Tagung statt, zu der wir zahlreiche international reputierte Künstler, Wissenschaftler und Sportler eingeladen hatten.

mehr

Die wissenschaftlichen Beiträge der Tagung werden – zweifach extern-anonymisiert begutachtet – 2014 im Walter de Gruyter Verlag erscheinen (hrsg. von Wolf Gerhard Schmidt und Simone Schütz-Bosbach).

Tagungsprogramm

Arbeitsexposé

Konferenz 2010: "Faszinosum 'Klang'. Anthropologie – Medialität – kulturelle Praxis"

Die Konferenz fand vom 14. bis 18. Oktober 2010 in Wien statt.

mehr

Auf dieser interdisziplinären Konferenz diskutierten wir mit international reputierten Künstlern und Wissenschaftlern vier Themenbereiche:

  • (Kultur-)Geschichte: Wie wurden/werden Klänge in Politik (Krieg, Diktatur, Revolution), Wirtschaft (Werbung, Marketing), Technik (Audiodesign bei Fahrzeugen, Klangoptimierung bei Datenträgern) und Kunst (unhörbare Noten bei Schumann, orgiastische Klänge bei Wagner, elektronische Soundretuschen bei Karajan) funktionalisiert?
  • Kunstproduktion/-rezeption: Liefern die musikalischen Universalien möglicherweise eine Begründung dafür, dass sich in Europa die Dur-Moll-Tonalität als dominantes Bezugssystem durchgesetzt hat? Wie kann man erklären, dass sich in der Kunstmusik das kanonisierte Repertoire seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr erweitert, d. h. moderne und zeitgenössische E-Musik kaum aufgeführt und rezipiert werden – und zwar keineswegs nur in Europa, sondern auch auf anderen Kontinenten (u. a. Südamerika, Asien, Ozeanien)? Warum herrscht in weiten Teilen der sogenannten U-Musik noch immer das harmonisch kaum modifizierte klassisch-romantische Musikverständnis vor (Rock, Pop, Musical, Schlager, Folklore)? Gibt es physikalisch, anthropologisch und/oder ästhetisch begründete Grenzen für die Assimilation von Klängen an menschliche Hörgewohnheiten? Wie stark wirken sich dabei soziale, kulturelle und klimatische Faktoren aus? Warum entwickeln sich bestimmte Klangkonzepte bevorzugt in bestimmten kulturellen Regionen? Wird die Melodie im 21. Jahrhundert unweigerlich zurückkehren oder kann sich das menschliche Ohr nahezu alle Klangphänomene über die Zeit hin "zurechthören"? Welche Möglichkeiten klangphänomenaler Innovation gibt es heute noch im musikalischen, theatralen und literarischen Bereich?
  • Ästhetiktheorie: Welche Folgen hat die Integration von Klangphänomenen für die Medialität der Literatur bzw. für eine nicht-phänomenalistisch fundierte Rezeptionsästhetik? Wie wirkt das, was der Mensch in der Sphäre des Hörbaren gestaltend unternimmt, in physiologischer und psychologischer Hinsicht auf ihn zurück? Ergeben sich hieraus Konsequenzen für unsere Epistemologie? Wie würde sich die Stellung des Menschen zur Welt verändern, wenn er ausschließlich über Hörsinn (einschließlich Tastsinn) verfügte?
  • (Bildungs-)Politik: Kann die Beschäftigung mit Klangphänomenen einen wirksamen Beitrag gegen Bildungserosion und Reflexionsverlust in der globalen Gesellschaft leisten und/oder Katalysator einer humaneren Lebenswelt sein? Wenn ja: Für welche Art der Beschäftigung mit welcher Art von Klangphänomenen gilt das?

Die wissenschaftlichen Beiträge der Tagung werden – zweifach extern-anonymisiert begutachtet – 2013 im Walter de Gruyter Verlag erscheinen (hrsg. von Wolf Gerhard Schmidt).

 
 
 
Seite empfehlen