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Die Arbeitsgruppe

Moderne Wissenschaft und Technik haben unseren bewussten Handlungsspielraum in den letzten Jahrzehnten ungemein erweitert. Der gegenwärtige Energieverbrauch lässt nachhaltige Schäden für zukünftige Generationen befürchten; wir können heute zum Teil gezielt in Bewusstseinsphänomene eingreifen; selbst Leben, sei es auch in primitiver Form, lässt sich in der Retorte herstellen.

In der Debatte etwa um den Treibhauseffekt oder um genetisch modifizierte Pflanzen zeigt sich eine Notwendigkeit, die ethischen Aspekte derartiger Umgestaltung zu reflektieren. Diese Notwendigkeit besteht ebenso für die positiven und bewusst herbeigeführten Folgen, welche die Anwendung technischer Neuerungen hat (zum Beispiel durch die Medizintechnik). So ist die durchschnittliche Lebenserwartung in den entwickelten Ländern durch moderne Forschung und Technik stark gestiegen – und stellt uns vor weitgehend neue Fragen im Umgang mit älteren und kranken Menschen.

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Verbindung von Allgemeiner Ethik und Bereichsethiken

Der Wunsch des Individuums, sein eigenes Verhalten an bestimmten ethischen Standards auszurichten, sowie Anforderungen individueller Handlungs- und Entscheidungsträger machen einen professionellen Diskurs über Moral erforderlich. Dieser sollte über die Diskussion in den moralischen Disziplinen wie der philosophischen Ethik oder der christlichen Soziallehre hinausgehen und auch die jeweiligen Fachdisziplinen, wie die Medizin, die Wissenschaften, die Technik oder die Ökonomie miteinbeziehen. Eben einen solchen interdisziplinären Diskurs anzustoßen, ist das Ziel dieser Arbeitsgruppe. Dabei soll vermieden werden, die Spezialethiken von der Allgemeinen Ethik zu entkoppeln. Die Arbeitsgruppe will vielmehr die verschiedenen Bereichsethiken fruchtbar zu verbinden suchen.

Moralisch korrektes Verhalten bedarf mehr als kodifizierter Normen und allgemeiner Handlungsanweisungen beziehungsweise Leitlinien. Die Anwendung allgemeiner Regeln in komplexen Handlungssituationen – sei es im klinischen Alltag bei der Therapiebegrenzung, sei es bei politischen Entscheidungen über die Höhe von Treibhausgasreduktionen – erfordert spezifisches Wissen und besondere Fähigkeiten. Ebenso bedarf das handelnde Subjekt einer Kompetenz, die es ihm erlaubt, ethisch relevante Handlungssituationen als solche zu erkennen. Deswegen erscheint es sehr hilfreich, auf den aristotelischen Begriff der Phronesis zurückzugreifen, der für das Zusammenwirken von allgemeinen Regeln und spezifischen Handlungssituationen sensibilisiert.

Verschiedene Bereiche - verschiedene Zugänge?

Die Arbeitsgruppe möchte in verschiedenen Bereichen Angewandter Ethik, wie der Bio-, Medizin-, Gesundheits-, Technik-, Umwelt-, Wissenschafts- und Wirtschaftsethik, untersuchen, wie Ethik in der Praxis vermittelt werden kann. Für die Medizin bietet sich die Kasuistik als Zugang an, der sowohl im Einsatz bei den Studierenden als auch in der Beratungstätigkeit wegen der unmittelbaren Praxisnähe überzeugend ist. Im Gegensatz zur Medizin stehen bei der Umwelt- oder Technikethik zuweilen nicht Individuen im Vordergrund – moralisches Subjekt sind oftmals Institutionen, Gegenstand moralischer Reflexion ganze Generationen oder Bevölkerungsgruppen. Ist der kasuistische Zugang der Medizin auch auf dieser Ebene fern individueller Betrachtung vorstellbar? Welcher Zugang bietet sich für die kollektive Ebene der Diskussion an? Die Ziele der Arbeitsgruppe lassen sich wie folgt zusammenfassen: 

  • das unterschiedliche Vorgehen der verschiedenen Ethiken, das meist unverbunden nebeneinander erfolgt, durch ein gemeinsames moralisches und kognitives Konzept ergänzen und so weite Teile der Angewandten Ethik näher an die Praxis führen;
  • die Attraktivität der Aristotelischen Phronesis-Konzeption als Grundlage eines solchen Konzeptes zu erörtern und nach Möglichkeiten zu suchen, wie man den Begriff der Urteilskraft für die verschiedenen Ethiken fruchtbar machen kann;
  • fragen, wie sich diese Art der Klugheit konkret in den verschiedenen Anwendungsbereichen der praktischen Ethik anwenden und insbesondere als Tugend erlernen lässt.
 
 
 
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