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Künstliche Intelligenz

Die Arbeitsgruppe

Künstliche Intelligenz („KI“) ist in aller Munde. Ihre potentiellen und tatsächlichen Anwendungen sind Legion, etwa im Bereich der Medizin, Industrie, Stadtplanung oder Rechtsanwendung. Die verschiedenen Wissenschaftszweige diskutieren nicht nur, was KI leisten und welche vormals menschlichen Aufgaben sie übernehmen könnte, sondern auch, inwieweit sie das tun sollte oder darf und welche Konsequenzen dies hätte und hat. Dabei hat jede Wissenschaft ihre eigenen Zugänge zum Thema KI gefunden.

Die AG Künstliche Intelligenz der Jungen Akademie möchte sich dem Thema über konkrete Anwendungen von KI-Methoden nähern und so in ein interdisziplinäres Gespräch über die Möglichkeiten und Grenzen ausgewählter KI-Anwendungen kommen. Dabei möchte die AG auch technologisch, sozialwissenschaftlich und rechtlich informierte Regulierungsvorschläge für den KI-Einsatz diskutieren.

 

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Entsprechend ihrer interdisziplinären Zusammensetzung bestimmen ganz unterschiedliche Perspektiven das Interesse der AG.


Die AG beschäftigt sich mit den Voraussetzungen, Potentialen und Konsequenzen des KI-Einsatzes in ausgewählten Anwendungsbereichen. Fragestellungen wären etwa, was eine KI-gestützte Auswertung von digitalen Krankheits- und Patientendaten zur Stellung von Diagnosen oder Verbesserung von Therapien leisten kann. Wie müsste diese aussehen? Welche Anforderungen stellen KI-Innovationen an Datenqualität und Datengenerierung, um ihre Optimierungsversprechen einlösen zu können? Auf dieser Ebene berücksichtigt die AG auch indirekte Konsequenzen des KI-Einsatzes. So stellt sich etwa die Frage, welche „neuen“ Aufgaben für welche Berufsgruppen entstehen, um Daten für KI-Anwendungen zur Verfügung zu stellen („data work“). Wie könnte sich der Einsatz von legal tech auf das Rechtssystem in seiner Gesamtheit, wie autonom fahrende Fahrzeuge auf den Verkehr insgesamt auswirken? Wie verändert der Einsatz von KI in Diagnose und Therapie die Beziehungen der Menschen innerhalb des Gesundheitssystems? Soziologisch interessiert die AG auf dieser Ebene auch die Verbindung von KI mit konkreten Utopien der Optimierung und Innovation. Sie fragt nach der konkreten Richtung dieser Utopien, welche Handlungsalternativen sie eröffnen und verschließen.


In normativer Hinsicht stellt sich die AG die Frage, an welcher Stelle der KI-Einsatz sinnvoll und ethisch und rechtlich möglich erscheint und unter welchen Voraussetzungen. Können die Probleme des KI-Einsatzes in konkreten Anwendungen regulativ eingefangen werden? In welchen Bereichen sind KI-Anwendungen generell zu verbieten? Im obigen Beispiel bleibend: Wie ist mit Fehldiagnosen oder Behandlungsfehler, die auf KI-Anwendungen zurückgehen, umzugehen? Welchen Einfluss dürfen KI-gestützte Systeme auf hoheitliche Entscheidungen nehmen? Welche Vorgaben macht das Datenschutzrecht? Diese Ebene ist also vor allem mit der Regulierung von KI-Anwendungen befasst. Auch dies wird vornehmlich anwendungsbezogen zu diskutieren sein, da der Einsatz von KI-Anwendungen in der Industrieproduktion andere Regulierungsbedürfnisse hervorruft als der Einsatz in der klinischen Diagnostik oder zur Verbrechensbekämpfung.

 

KAMINABENDE

23.03.2022

Beim nächsten Kaminabend der AG Künstliche Intelligenz ist die Alumna der Jungen Akademie Ulrike von Luxburg zu Gast. Von Luxburg ist Professorin für Informatik an der Universität Tübingen und Fellow am Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme. Sie arbeitet zu den theoretischen Grundlagen des maschinellen Lernens und interessiert sich darüber hinaus für den Einfluss der Forschung zu künstlicher Intelligenz (KI) auf die zukünftige Gesellschaft. Die Mitglieder der AG möchten mit Ulrike von Luxburg über ihre Arbeit und die Potentiale und Herausforderungen von KI-Anwendungen für Gesellschaft und Wissenschaft ins Gespräch kommen. Dabei interessiert die Mitglieder auch, welche Erfahrungen sie als Wissenschaftlerin in der öffentlichen Diskussion über die gesellschaftliche Bedeutung von KI gemacht hat.

 

- Vergangene Termine -

 

26.01.2022

Gemeinsam mit der Arbeitsgruppe Transfer of Innovation in Academia veranstaltete die AG Künstliche Intelligenz einen winterlichen Kaminabend mit dem Astrophysiker und Erium-Gründer Theo Steininger. Die Mitglieder kamen mit ihm über seinen wissenschaftlich-unternehmerischen Weg ins Gespräch. Dabei ging Theo Steininger unter anderem auf technische, soziale und rechtliche Punkte im Bereich Künstliche Intelligenz ein.

2021/22: Understanding Blood-brain Dynamics with Statistical Learning

Das Gehirn dient allein der Kühlung des Blutes - so dachte zumindest Aristoteles. Auch wenn Medizin und Neurowissenschaft seither einige Fortschritte gemacht haben, ist die Dynamik zwischen neuronaler Aktivität und den Schwankungen verschiedener Botenstoffe und Stoffwechselprodukte im Blut noch immer unzureichend verstanden. Der Grund dafür sind u.a. Komplexität und Aufwand einer parallelen Ableitung von Hirn- und Blutparametern über mehrere Stunden, darüber hinaus die Existenz vielfältiger Interaktionen und Feedback-Schleifen zwischen diesen Parametern, die klassische statistische Analysemethoden schnell an ihre Grenzen stoßen lassen.

Im Rahmen des Projektes sollen biomedizinische und mathematisch-statistische Expertisen kombiniert werden, um komplexe Datenstrukturen zu entschlüsseln und zu verstehen. Dafür wurde die neuronale Aktivität und die Dynamik von verschiedenen Blutparametern von Versuchspersonen mit ausgeglichenem Alters- und Geschlechterverhältnis mit parallelen EEG/Blut-Messungen zeitlich erfasst. Schon in kondensierter Form resultieren daraus pro Versuchsperson und Schlafableitung hunderte Momentaufnahmen physiologischer Parameter im Gehirn und Körper. Zum akkuraten Verständnis dieser interaktiven Blut-Hirn-Dynamik bedarf es entsprechend komplexer Modellierung und Analyse sowie Methoden, die für derartige Datenmengen ausreichend skalieren und es erlauben, relevante Einflussgrößen und interpretierbare Effekte zu identifizieren.

Zur Zusammenführung verschiedener Expertisen aus Neurowissenschaft, Medizin, Statistik und Mathematik plant das Projektteam, das aus den Mitgliedern Martin Dresler, Nadja Klein, Isabel Schellinger und Timo de Wolff besteht, gemeinsam mit beteiligten PhDs und Post-Doktorand*innen 2021 und 2022 gegenseitige Besuche und Projekttreffen. Es wird eine gemeinsame Publikation angestrebt.

2020: Workshop „KI und Hochschule“

Am 10.und 11. Januar 2020 organisiert die AG Künstliche Intelligenz ihren ersten Workshop in Frankfurt am Main mit dem Titel „KI und Hochschule“. Dieser wird sich am ersten Tag mit dem Thema „KI-Forschung trotz Datenschutzgrundverordnung“ befassen. Am zweite Tag wird das Thema „Einsatz von KI im Bildungsbereich“ (sog. Learning Analytics) im Fokus stehen.

Der erste Workshop-Tag startet mit einem Impuls von Prof. Nikolaus Marsch. Marsch lehrt u.a. Verfassungsrecht und Datenschutzrecht an der Universität des Saarlandes und zählt zu den besten Kennern der Materie in Deutschland, hat u.a. zu den grundrechtlichen und europäischen Dimensionen des Datenschutzes habilitiert. Für einen Impulsvortrag zu Learning Analytics am zweiten Tag konnte Prof. Dirk Ifenthaler gewonnen werden. Ifenthaler leitet den Lehrstuhl für Learning, Design and Technology an der Universität Mannheim und ist UNESCO Deputy Chair of Data Science in Higher Education Learning an der Curtin University in Australien. Er ist zudem Herausgeber mehrerer Zeitschriften und Sonderbände zum Thema Learning Analytics und Leiter mehrerer einschlägiger Forschungsprojekte, wie beispielsweise des BMBF-Projekts STELA (Utilizing Learning Analytics for Study Success).

Perspektivisch zielt die AG darauf ab, sich – nicht nur, aber gerade auch – im Bildungsbereich mit konkreten Regulierungsvorschlägen (model rules) wissenschaftspolitisch zu Wort zu melden.